Van-Steuerung im Camper: Open Source, VAN PI CORE und FUSY
Karl Böttcher erzählt, wie aus einem privaten Ausbauprojekt und frei verfügbarer Software die Firma Pekaway entstand. Das Gespräch verfolgt den Weg von einer Raspberry-Pi-Steuerung mit einzelnen Entwicklungsplatinen zum VAN PI CORE und zum FUSY-Sicherungshalter. Dabei geht es ebenso um Community und offene Schnittstellen wie um Lieferketten, Gehäusefertigung und Zulassungsprüfungen. Die folgenden Abschnitte verdichten das Gespräch entlang seiner Kapitel. Die Zeitmarken führen zu den jeweiligen Stellen im Podcast.
Wie aus einem privaten Ausbau Pekaway entstand
Am Anfang standen Karl, sein Freund Peter und ein VW LT von 1996. Statt ihre Alltagsautos immer wieder für gemeinsame Reisen umzubauen, wollten sie in der Scheune von Peters Eltern ein eigenes Reisefahrzeug aufbauen und das Projekt auf YouTube begleiten. Aus „Peter und Karl on Tour“ wurde der Name Pekaway.
Für den Bus entwickelte Karl eine zentrale Steuerung auf Basis eines Raspberry Pi. Die Software veröffentlichte er als VAN PI und bezog Rückmeldungen und Beiträge anderer Ausbauer ein. Aus dem Hobbyprojekt wuchs zunächst eine Community und schließlich ein Unternehmen, ohne dass der offene Ursprung ganz aufgegeben werden sollte.
Prototypen aus Breakout Boards und frei verdrahteten Modulen
Die frühe VAN-PI-Hardware bestand nicht aus einer eigens entwickelten Platine. Karl kombinierte einen Raspberry Pi mit sogenannten Breakout Boards: kleinen fertigen Modulen für einzelne Ein- und Ausgänge, Sensoren oder Schnittstellen. Das erleichterte den Einstieg und machte Änderungen schnell möglich, führte aber zu vielen Einzelteilen und entsprechend aufwendiger Verdrahtung.
Für ein frei nachbaubares Projekt war dieser Ansatz sinnvoll. Für ein Produkt, das auch ohne Elektronikkenntnisse zuverlässig eingebaut werden sollte, brauchte es später eine integrierte Lösung mit klaren Anschlüssen und reproduzierbarer Hardware.
Browser-basierte Automatisierung mit Node-RED
Ein wichtiger Baustein der frühen Steuerung war Node-RED. In der browserbasierten Oberfläche lassen sich Funktionen als grafische Abläufe miteinander verbinden. Dadurch konnten Nutzer eigene Automatisierungen erstellen, ohne eine komplette Anwendung von Grund auf programmieren zu müssen.
Diese Offenheit brachte viele Möglichkeiten, aber auch eine Produktfrage mit sich: Ein Communityprojekt darf Experimentierfreude voraussetzen; ein kommerzielles Gerät muss zugleich verständlich starten, stabil laufen und für Menschen funktionieren, die sich nicht mit jedem technischen Unterbau beschäftigen möchten.
Vom VAN-PI-Projekt zum integrierten VAN PI CORE
Beim VAN PI CORE führte Pekaway die zuvor verteilten Funktionen auf einer eigenen Hardware zusammen. Ziel war eine kompakte Zentrale, an die Verbraucher, Taster, Sensoren und weitere Geräte strukturiert angeschlossen werden können. Der Raspberry-Pi-Unterbau blieb Teil des Konzepts, wurde aber um speziell entwickelte Elektronik und ein passendes Gehäuse ergänzt.
Die Entwicklung umfasste weit mehr als das Zeichnen einer Platine. Bauteile mussten verfügbar, Alternativen geprüft und Fertigungspartner gefunden werden. Gerade während angespannter Lieferketten konnte ein einziges fehlendes Teil die nächste Serie verzögern oder eine Überarbeitung auslösen.
Die Idee hinter dem FUSY-Sicherungshalter
Der FUSY entstand aus einem einfacheren Bedarf als die zentrale Steuerung: Karl und sein Team suchten eine übersichtliche Verteilung für Kfz-Flachsicherungen, bei der sich Leitungen komfortabel über Federklemmen anschließen lassen. Weil sie kein passendes Produkt fanden, entwickelten sie selbst einen Sicherungshalter mit Wago-Platinenklemmen.
Damit richtete sich Pekaway auch an Ausbauer, die keine vollständige Van-Steuerung benötigten. Der FUSY steht im Gespräch zugleich als Beispiel dafür, wie aus einem vermeintlich kleinen Zubehörteil ein eigenständiges Entwicklungs- und Fertigungsprojekt wird.
Eine offene Zentrale statt eines geschlossenen Systems
Der VAN PI CORE soll nicht nur Produkte von Pekaway bedienen. Das langfristige Konzept ist eine offene Plattform, die Geräte unterschiedlicher Hersteller zusammenführt und gemeinsame Bedienung oder Automatisierungen ermöglicht. Nutzer können mit der vorbereiteten Oberfläche beginnen und bei Bedarf tiefer in Software und eigene Erweiterungen einsteigen.
Diese Balance ist anspruchsvoll: Offenheit darf nicht bedeuten, dass jeder Einbau erst zum Programmierprojekt wird. Gleichzeitig soll das System fortgeschrittene Nutzer nicht auf die Funktionen beschränken, die der Hersteller selbst vorgesehen hat.
Truma, Touchdisplay und CI-BUS integrieren
Im Gespräch beschreibt Karl die Anbindung von Truma-Heizungen als Beispiel für Herstellerintegration. Dafür reicht es nicht, nur elektrische Anschlüsse bereitzustellen; die Steuerung muss auch die jeweilige Kommunikation verstehen und zuverlässig abbilden. Solche Integrationen hängen deshalb von technischen Schnittstellen, Dokumentation und Kooperationen ab.
Bedient werden kann das System unter anderem über ein Touchdisplay, aber die Oberfläche läuft browserbasiert und ist damit nicht auf einen einzigen Bildschirm festgelegt. Auch der in Freizeitfahrzeugen verbreitete CI-BUS wird thematisiert. Er kann die Zusammenarbeit verschiedener Geräte erleichtern, ist jedoch keine automatisch offene Schnittstelle für jedes beliebige Projekt.
Wie viel vernetzte Technik braucht ein Camper?
Florian und Karl diskutieren, ob eine zentrale Steuerung den Ausbau unnötig komplex macht. Karls Antwort ist nicht, dass jeder Camper möglichst viele Automationen benötigt. Die Technik soll alltägliche Bedienung vereinfachen und weiterhin direkte, schnelle Schaltmöglichkeiten bieten. Wer nur Licht einschalten möchte, sollte nicht auf einen langen Startvorgang oder mehrere Menüebenen warten müssen.
Der Mehrwert entsteht dort, wo Informationen und Funktionen sinnvoll zusammenlaufen – beispielsweise bei zentralen Zuständen, Überwachung oder wiederkehrenden Abläufen. Welche Funktionen tatsächlich genutzt werden, bleibt eine Frage des individuellen Ausbaus.
Die Community als Teil der Produktentwicklung
Beiträge aus der Community halfen nicht nur bei Ideen und Fehlersuche. Menschen mit Spezialwissen entwickelten Erweiterungen, testeten Hardware und brachten Perspektiven ein, die ein kleines Kernteam nicht vollständig abdecken konnte. Für Pekaway ist diese Zusammenarbeit ein wesentlicher Teil der Entstehungsgeschichte.
Mit einem verkauften Produkt ändern sich dennoch die Erwartungen. Pekaway muss Versionen pflegen, Support leisten und sicherstellen, dass eine offiziell angebotene Funktion auch für weniger erfahrene Nutzer nachvollziehbar bleibt. Offener Quellcode und kommerzielle Verantwortung bestehen damit nebeneinander.
FUSY zwischen 3D-Druck und Spritzguss
Beim FUSY geht Karl detailliert auf Anschlüsse, Sicherungen und die mechanische Ausführung ein. Ein Teil des Nutzens liegt in der kompakten, geordneten Verdrahtung; zugleich müssen Strombelastbarkeit, Leiterbahnen, Klemmen und Wärmeentwicklung als Gesamtsystem ausgelegt werden.
Die Gehäusefertigung zeigt den typischen Zielkonflikt einer Kleinserie. 3D-Druck benötigt kaum teure Werkzeuge und lässt Änderungen schnell zu, verursacht pro Teil aber relativ hohe Fertigungszeiten und Kosten. Spritzguss liefert bei größeren Mengen schnellere und günstigere Einzelteile, verlangt dafür eine kostspielige Form und legt die Konstruktion stärker fest. Pekaway musste abwägen, wann die Stückzahl diesen Schritt rechtfertigt.
Prüfungen, Preise und der Weg in den Vertrieb
Für ein fertiges Elektronikprodukt gehören CE-Konformität und Prüfungen zur elektromagnetischen Verträglichkeit zum Entwicklungsweg. Sie sollen unter anderem zeigen, dass das Gerät andere Elektronik nicht unzulässig stört und selbst ausreichend störfest ist. Das erfordert Dokumentation, Messungen und gegebenenfalls technische Nacharbeit.
Auch der Verkaufspreis ergibt sich deshalb nicht nur aus Platine und Gehäuse. Entwicklung, Prüfungen, Ausschuss, Lager, Support, Steuern und Handelsspannen müssen mitgetragen werden. Beim Vertrieb diskutieren Karl und Florian den Unterschied zwischen Direktverkauf und Fachhandel: Händler vergrößern Reichweite und Beratung, benötigen aber ebenfalls eine wirtschaftlich tragfähige Marge.