Lichtsteuerung für den Camperausbau: Von der ersten Idee zur Vanbase
Felix Arndt von Flextronic erzählt, wie aus einer selbstgebauten Lichtsteuerung für den eigenen Bus ein Produkt für Reisemobile wurde. Das Gespräch folgt dem Weg vom Raspberry-Pi-Prototyp über Platinen, Software und Praxistests bis zu den damals geplanten modularen Nachfolgern. Die folgenden Abschnitte verdichten die Unterhaltung entlang der handgefertigten Kapitelmarken. Die Zeitmarken führen zu den jeweiligen Stellen im Podcast.
Was die Lichtsteuerung im Reisemobil kann
Die Vanbase trennt die Taster von den eigentlichen Verbrauchern. Der Strom für Lampen, Spots oder LED-Streifen fließt damit nicht durch den Schalter; zu den Tastern können dünnere Steuerleitungen führen. Sicherungen für Verbraucher und Taster sind bereits auf der Platine untergebracht, ein zusätzlicher Sicherungskasten für die angeschlossene Beleuchtung ist laut Felix nicht nötig.
An einen Lichtkreis lassen sich mehrere frei gewählte Taster anschließen – etwa an Küche, Sitzgruppe und Bett. Neben Ein-, Aus- und Dimmfunktionen gibt es ein zentrales „Alles aus“: Ein langer Tastendruck schaltet sämtliche angeschlossenen Lampen ab. So bleibt die Bedienung flexibel, ohne für jede Schaltstelle lange Lastleitungen oder klassische Wechselschaltungen verlegen zu müssen.
Vom eigenen Camper zur ersten Lichtsteuerung
Der Ausgangspunkt war ein günstiger Bus, den Felix 2019 gemeinsam mit seiner Freundin für Konzert- und Festivalbesuche ausbaute. Komfortable Lichtsysteme erschienen ihm für dieses Projekt zu teuer. Also kombinierte er einfache Relais mit einem Raspberry Pi und baute eine eigene Lösung, die bereits eine zentrale Abschaltfunktion besaß.
Im Alltag zeigten sich schnell die Grenzen: Die Lampen ließen sich nur hart ein- und ausschalten, weder Dimmen noch sanftes Auf- und Abblenden waren möglich. Gerade nachts störte ihn, dass ein Tastendruck sofort die volle Helligkeit einschaltete. Aus diesen Erfahrungen entstand der Wunsch nach einer kompakteren und komfortableren Neuentwicklung.
Felix’ Weg von der Gebäudeelektrik zur Mikroelektronik
Felix ist ausgebildeter Elektriker für Energie- und Gebäudetechnik. Mit Mikroelektronik beschäftigte er sich zunächst außerhalb seines Berufs: Gegen Ende der Ausbildung nahm er ausrangierte Flachbildschirme auseinander, reparierte sie und verkaufte sie weiter. Erste Programmiererfahrungen hatte er schon mit einem Computerspiel als Schulprojekt gesammelt.
Später arbeitete er sich mit Büchern, Online-Material, Arduino und Raspberry Pi in Mikrocontroller und Software ein. Vieles eignete er sich selbst an – auch englischsprachige Inhalte, die er sich wegen seiner Lese-Rechtschreib-Schwäche vorlesen ließ. Dieses praktische Lernen gab ihm die Grundlage, die Steuerung für den eigenen Bus selbst zu entwickeln.
Mostvanted als Partner für die ersten Praxistests
Über einen gemeinsamen Kontakt kam Felix mit dem Ausbaubetrieb Mostvanted zusammen. Dort bestand ebenfalls Interesse an einer bezahlbaren Lichtsteuerung. Felix entwickelte seinen Aufbau deshalb zu einem Produkt weiter, während Mostvanted frühe Versionen in Fahrzeugen testete.
Die Zusammenarbeit brachte Bedingungen in die Entwicklung ein, die am eigenen Schreibtisch leicht übersehen werden. Aus einer gelöteten Lochrasterplatine musste eine reproduzierbare Steuerung werden, die sich zuverlässig montieren und auch von anderen Menschen bedienen und anschließen ließ.
Warum Schulnoten wenig über praktisches Können sagen
In der Schule tat sich Felix schwer und schloss die Realschule nur knapp ab. In der Elektrikerausbildung änderte sich das grundlegend: Das Thema weckte sein Interesse, er probierte Gelerntes zu Hause aus und beendete die Ausbildung als Klassenbester. Zum Zeitpunkt der Aufnahme bereitete er sich zusätzlich auf den Elektromeister vor.
Für ihn ist diese Erfahrung ein Gegenbeispiel zu der Vorstellung, schwache Schulnoten legten den späteren Weg fest. Entscheidend war, ein Feld und eine Lernform zu finden, die ihn wirklich erreichten – bei ihm waren das praktische Versuche, Erklärungen und vorgelesene Fachinhalte.
Vom Prototyp zur robusten Lichtsteuerung
Ein früher seriennaher Prototyp fiel bei Mostvanted aus, als im Test alle Taster gleichzeitig gedrückt wurden und eine Leiterbahn durchbrannte. Für Felix war das teures, aber wertvolles Lehrgeld. Solche Versuche führten zu einer robusteren Auslegung: Ein Kurzschluss sollte nur die austauschbare Sicherung auslösen und nicht die Steuerung zerstören. Auch Bauteile dimensionierte er bewusst mit Reserven, weil die Elektronik im Reisemobil lange halten soll.
Den stromhungrigeren Raspberry Pi ersetzte er durch einen Mikrocontroller. Für die damalige Vanbase nennt Felix eine Stromaufnahme von rund 20 Milliampere. Die selbst entwickelte Schaltung begrenzt außerdem die Ausgangsspannung für 12-Volt-LEDs, damit diese bei höherer Bord- oder Ladespannung nicht dauerhaft überlastet werden. Die Steuerung selbst arbeitet nach seiner Beschreibung in Bordnetzen von 10 bis 30 Volt; bei 24 Volt muss die maximale Ausgangsspannung angepasst werden.
Software, DIP-Schalter und individuelle Funktionen
In der damals angebotenen Generation arbeitete ein Mikrocontroller aus dem Arduino-Umfeld. Felix schrieb die Software selbst und machte häufig benötigte Einstellungen über DIP-Schalter auf der Platine zugänglich. So ließ sich das Verhalten verändern, ohne für jede Variante eine neue Hardware zu bauen.
Wenn Kunden besondere Abläufe benötigten, programmierte er diese zunächst individuell. Sinnvolle Wünsche übernahm er anschließend in die allgemeine Software und machte sie, wenn möglich, auch für weitere Nutzer konfigurierbar. Die Produktentwicklung speiste sich damit unmittelbar aus realen Ausbauten.
Gehäuse, Platinen und der Weg zur Kleinserie
Für die ersten verkauften Steuerungen fehlte noch ein eigenes Gehäuse. Felix setzte die Platinen deshalb in handelsübliche, wassergeschützte Abzweigkästen ein. Später konstruierte er ein passendes Gehäuse, testete es auf einem Heim-3D-Drucker und ließ es zunächst extern fertigen. Zum Zeitpunkt des Gesprächs druckte Flextronic Seriengehäuse und Prototypen auf einem eigenen professionellen Drucker.
Auch bei den Platinen veränderte sich der Prozess. Anfangs bestückte Felix leere Leiterplatten von Hand – bis hin zu 56 einzeln eingesetzten Widerständen. Später ließ er die meisten Bauteile in SMD-Bauweise bereits beim Platinenhersteller bestücken. Bei Flextronic blieben unter anderem das Auflöten der Schraubklemmen, die Programmierung und die Montage im Gehäuse.
Schraubklemmen oder Wago-Klemmen?
Felix’ Entscheidung für Schraubklemmen richtet sich nicht grundsätzlich gegen Wago-Klemmen. Lose Verbindungsklemmen hält er im Fahrzeugbau für sehr nützlich. Auf der Platine sieht er jedoch einen praktischen Nachteil: In Campern werden an einem Ausgang häufig zwei oder drei Leitungen zusammengeführt, eine Platinenklemme ist aber für eine Ader je Klemmstelle vorgesehen. Zusätzliche Verteilungsklemmen würden dann wieder mehr Platz beanspruchen.
Die Vanbase verwendet deshalb groß dimensionierte, vollflächig schließende Schraubklemmen. Mehrere Leitungen können in einer passend großen Aderendhülse zusammengefasst werden; bei einer einzelnen Leitung sind die verwendeten Klemmen laut Felix auch ohne Aderendhülse freigegeben. Entscheidend ist für ihn nicht das vertrautere System, sondern eine sichere Verbindung, die zur typischen Verkabelung im Camper passt.
Was Produktentwicklung neben der Technik verlangt
Der funktionierende Aufbau war nur ein Teil der Arbeit. Felix musste sich unter anderem mit Verpackungs- und Elektrogeräte-Vorgaben, Entsorgung, Produkthaftung und einer passenden Versicherung beschäftigen. Fachkundige Beratung machte dabei einen erheblichen Unterschied: Ein zunächst genanntes Versicherungsangebot von 4.500 Euro pro Jahr ließ sich mit einem spezialisierten Makler auf etwa 500 Euro reduzieren.
Auch technisch blieb die Serienreife anspruchsvoll. Eine Steuerung, die im eigenen alten Bus und in den Testfahrzeugen funktionierte, hing sich später in einem modernen Fahrzeug auf. Solche Fehler bedeuteten bei Hardware nicht nur ein Update, sondern Austauschgeräte, Kosten und unmittelbare Verantwortung gegenüber Kunden. Den ersten Lochraster-Prototyp baute Felix innerhalb einer Woche; bis zu einem verkaufbaren Produkt vergingen nach seiner Schätzung rund neun Monate mit regelmäßig zwei bis drei vollen Arbeitstagen pro Woche.
Unterschiede zwischen Vanbase 6 und Vanbase 10
Vanbase 6 und Vanbase 10 boten im Kern ähnliche Lichtfunktionen. Die größere Variante entstand, weil Mostvanted zehn Schaltkanäle benötigte. Ihr leistungsfähigerer Mikrocontroller stellte zusätzlich analoge Eingänge bereit. Diese Möglichkeiten bewarb Felix nur zurückhaltend, weil er die jeweiligen Sonderfunktionen für Kunden einzeln programmieren musste und es bei dieser Generation keine drahtlosen Software-Updates gab.
Auch die Vanbase 6 konnte einen Ausgang vom Dimmbetrieb auf einfaches Schalten umstellen. Felix nennt im Gespräch eine Druckwasserpumpe als Beispiel, die sich in „Alles aus“ einbeziehen oder zeitgesteuert abschalten ließ. Zugleich betont er, warum Flextronic das Gerät als Lichtsteuerung positionierte: Andere Verbraucher können durch falsche Einstellungen beschädigt werden – etwa ein Kühlschrank an einem gedimmten Ausgang.
Die Gründung der GmbH mit Henning
Henning meldete sich zunächst per E-Mail bei Felix. Als Softwareentwickler und Camper hatte er eine eigene Steuerung gebaut und wollte gemeinsam Produkte für die Campingbranche entwickeln. Beim ersten Treffen zeigte sich, dass beide bereits praktische Erfahrung mit ähnlichen Problemen gesammelt hatten und sich fachlich ergänzten.
Aus dem Austausch entstand eine gemeinsame GmbH. Felix brachte Hardwareentwicklung, Elektrik und Kundenerfahrung ein; Henning ergänzte professionelle Softwareentwicklung, Struktur und ein konsequentes Auge für Details. Felix beschreibt im Gespräch, wie sich das nicht nur im Programmcode, sondern auch in einem einheitlicheren und durchdachteren Produktauftritt bemerkbar machte.
Die damals geplante modulare Vanbase-Generation
Zum Zeitpunkt der Aufnahme arbeitete Flextronic an einer modularen Nachfolgegeneration. Statt getrennten Sechs- und Zehnkanal-Geräten sollte eine neue Vanbase 6 nach Bedarf mehrfach eingesetzt und über ein Netzwerkkabel verbunden werden. So sollten auch mehrere, räumlich getrennte Module gemeinsam reagieren und beispielsweise ein zentrales Abschalten über den gesamten Ausbau ermöglichen.
Eine App sollte Taster und Ausgänge frei zuordnen, Timer und Dimmverhalten konfigurieren und Aktualisierungen ermöglichen. Physische Taster blieben ausdrücklich Teil des Konzepts: Nutzer sollten App, Taster oder beides verwenden und ihre Schalter weiterhin frei wählen können. Zusätzlich sprachen Felix und Florian über geplante Relais- und Sensormodule. Diese Erweiterungen befanden sich bei der Aufnahme noch in Entwicklung und werden hier deshalb nicht als bereits verfügbare Funktionen dargestellt.
Kundensupport als Teil der Weiterentwicklung
Die technischen Vorkenntnisse der Kunden reichen von elementaren Anschlussfragen bis zu komplexen Überlegungen über mehrere gekoppelte Ausgänge. Felix erklärt deshalb vieles lieber telefonisch als per E-Mail. Im direkten Gespräch kann er besser einschätzen, was sein Gegenüber bereits weiß, und Missverständnisse bei Tastern, Schaltern, integrierten Dimmern oder Sicherungen schneller klären.
Diesen Kontakt möchte er nicht auslagern. Support zeigt ihm, wo Menschen mit dem Produkt Schwierigkeiten haben und welche Funktionen ihnen fehlen. Im Gespräch erzählt er sogar von einem Interessenten, dessen Problem sich mit der Vanbase nicht lösen ließ: Felix zeichnete ihm trotzdem kostenlos einen passenden Schaltplan. Einige Wochen später kaufte der Mann aus Vertrauen in diese Beratung ein anderes Produkt bei ihm. Für Felix gehört diese Hilfsbereitschaft zum Gemeinschaftsgedanken rund um Selbstausbau und Vanlife.