Campertechnik auf der CMT 2026: Flachsrahmen, Werkstattwachstum und smarte Steuerung
Im zweiten Teil der CMT-Gespräche geht es von der Expeditionskabine bis zum kompakten Bulli-Ausbau: Loris von Greenlander erklärt die zweite Fahrzeuggeneration mit einem Zwischenrahmen aus Flachsverbund, Tom berichtet vom Wachstum der Vanfabrik, Rico stellt die Campersteuerung Jarvis vor, Stefan von Vans und Wasser einen sicherheitsorientierten Boiler und Chris die neue Transporter-Basis von Ellie Vans. Die folgenden Abschnitte verdichten die Gespräche. Die Zeitmarken führen zu den jeweiligen Stellen im Podcast.
Greenlander verlegt Technik und Gewicht in den Zwischenboden
Der erste Greenlander-Aufbau blieb ein eigener Prototyp. Schon während seines Baus erkannte das Team, dass der klassische Stahlhilfsrahmen Platz beansprucht und die Gestaltung bestimmt. Die zweite Generation erhielt deshalb einen selbst entwickelten „Smart Frame“ aus dem gleichen Flachs-Sandwichsystem wie die Kabine.
Der neue Unterbau kombiniert Platten- und Formbauteile. Tanks, Batterien, Leitungen und weitere selten benötigte Technik verschwinden geschützt und isoliert im Boden, während der obere Bereich vollständig für Wohnen und Stauraum frei bleibt. Eine zusätzliche Heizschleife schützt die tief liegenden Komponenten vor Frost.
Drehpunkt, Federn und Faltenbalg müssen gemeinsam funktionieren
Am Iveco-Fahrgestell ist der Aufbau hinten über eine selbst entwickelte Drehpunktlagerung angebunden. Davor führen sechs Federn unterschiedlicher Stärke die Bewegung. So kann sich die Kabine vorn relativ zum Rahmen bewegen, ohne abzuheben, wenn sich das Fahrgestell im Gelände verschränkt.
Das Team prüft die Konstruktion mit zwei Vorführfahrzeugen, Staplern und auf einem Testgelände. Dabei zeigte sich auch, dass der große Faltenbalg zwischen Fahrerhaus und Kabine ausreichend Bewegung aufnehmen muss. Solche Erfahrungen sollen im Prototyp entstehen – nicht erst beim Kunden auf einer Fernreise.
Bootsbau-Erfahrung, Berechnung und Wartungszugang
Der Verbundrahmen soll die mechanischen Anforderungen eines Stahlzwischenrahmens erfüllen, wird aber auf das jeweilige Fahrgestell angepasst. Kabine und Grundkonzept können dadurch gleich bleiben, während ein anderer Smart Frame die Schnittstelle zu einer neuen Basis bildet.
Berechnungen und Versuche greifen auf Erfahrungen aus Boots- und Schiffbau zurück. Die Vibrationen eines Fahrzeugs waren dennoch eine neue Belastung. Flachsfasern bringen nach Loris’ Darstellung eine gute Eigendämpfung mit, verlangen beim Laminieren aber Druck und Prozesswissen. Wartungsluken ermöglichen später den Zugang zu Kabeln, Akkus und Technik – überwiegend von innen.
Die Vanfabrik wächst in eine größere Werkstatt
Die Vanfabrik zog kurz nach Florians Werkstattbesuch in eine größere Halle. Sechs Fahrzeugplätze, mehr Raum für Maschinen und Plattenlager sowie eine Altendorf-Formatsäge mit 3,20-Meter-Schlitten entzerren die Arbeit. Ein zusätzlicher Tischler verstärkt das Team dort, wo Projektleitung zuvor Kapazität aus der Fertigung gebunden hatte.
Auf der CMT stand der Betrieb als Finalist des Van Builder Award. In der Werkstatt liefen zugleich vier sehr unterschiedliche Projekte – vom Iveco Daily für umfangreiche Surfausrüstung bis zur Nasszelle im Heck. Für Tom bleibt diese Individualität der Kern einer Manufaktur, auch wenn Mustergrundrisse die Beratung eröffnen.
Camper Jarvis setzt auf einen einzigen haptischen Drehknopf
Rico entwickelte Jarvis aus dem eigenen Ducato-Ausbau heraus. Statt eines dauerhaft präsenten Touchscreens dient ein kompakter Dreh-Drücksteller mit haptischem Feedback als zentrale Bedienung. Die Idee geht auf ein Open-Source-Projekt zurück; Hardware, Software und Einbindung in das Fahrzeug wurden für das eigene System neu entwickelt.
Der Smart-Nob konzentriert die Oberfläche auf wenige verständliche Aktionen. Eine Weboberfläche auf dem Telefon bleibt als weitere Bedienmöglichkeit. Auf der CMT zeigte Flow Camper die noch junge Lösung in einer neuen Modellreihe; der Marktstart war zum Zeitpunkt des Gesprächs für das zweite Quartal 2026 vorgesehen.
Funkmodule verteilen Wasser-, Energie- und Klimafunktionen
Die spezialisierten Jarvis-Module kommunizieren drahtlos. „Fluidi“ erfasst Wasserstände, Temperaturen, Druck und Leckagen, „Volti“ bindet Energiekomponenten ein, weitere Module sollen Heizung, Klima, Lüfter, Kühlschrank und schaltbare Verbraucher übernehmen. Hinterlegte Tankprofile sollen die Einrichtung unregelmäßig geformter Serientanks vereinfachen.
Ein digitaler Stromverteiler misst sechs Kanäle einzeln und erlaubt konfigurierbare Auslöseschwellen. Rico beschreibt außerdem automatisierte Szenarien: Anwesenheit kann die Druckwasserpumpe schalten, Solarüberschuss den Boiler oder Kühlschrank versorgen und eine „Kochzeit“ mehrere Verbraucher gemeinsam aktivieren.
Niedriger Standby-Verbrauch und ein Plan für den Ausfall
Jarvis wurde ausdrücklich auf niedrigen Eigenverbrauch ausgelegt. Rico nennt für den Smart-Nob und ähnlich ausgelegte Module jeweils ungefähr 0,2 bis 0,3 Watt im normalen Ruhezustand. Ein geplanter Wintermodus soll nicht benötigte Komponenten in einen Tiefschlaf versetzen.
Auch Redundanz entstand aus Gesprächen auf der Messe: Fällt die zentrale Bedieneinheit aus, soll künftig ein anderes Modul die Weboberfläche bereitstellen. Die Funktionen blieben dann per Telefon erreichbar. Ein seit 2024 bestehendes Testteam aus erfahrenen und neuen Selbstausbauern liefert Rückmeldungen zur Verständlichkeit und zu solchen Alltagsszenarien.
Der Safe Boy soll Bedienfehler ohne Totalschaden abfangen
Stefan von Vans und Wasser entwickelte den Boiler gemeinsam mit Pikaway, nachdem er bei bestehenden Produkten Undichtigkeiten, gerissene Schweißnähte und ausgefallene Heizstäbe erlebt hatte. Neben Warmluft kann der Safe Boy mit 1.000 Watt an 230 Volt und 200 Watt an 12 Volt beheizt werden.
Wird ein Heizstab versehentlich ohne Wasser eingeschaltet, trennt ein zusätzlicher Bimetallschalter die Energie und muss von Hand zurückgesetzt werden. Ein kombiniertes Temperatur- und Überdruckventil öffnet bei 95 Grad, bevor kochendes Wasser starken Dampfdruck erzeugt. Die genaue Installation muss dennoch den Unterlagen und den aktuell geltenden Anforderungen entsprechen.
Dichtflächen und Prüfung vereinfachen den Einbau
Das Entleerungs- und Sicherheitsventil lässt sich mit einem festen Hebel bedienen. Anschlüsse besitzen möglichst Flachdichtungen; Verbindungen ohne eigene Dichtfläche werden bereits beim Hersteller eingedichtet und geprüft. So bleiben für den Einbauer weniger fehleranfällige Gewindedichtungen übrig.
Gefertigt wird der Behälter in China, anschließend kontrollieren Vans und Wasser sowie Pikaway in Deutschland Druck und Elektrik. Eine zusätzliche Beheizung über den Motorkühlkreislauf war wegen der aufwendigen Schnittstelle zu modernen Fahrzeugen noch nicht Teil des Produkts.
Ellie Vans baut dieselben Möbel in Ford Transit Custom und VW Transporter
Ellie Vans zeigte auf der CMT einen Ford Transit Custom der neuen Generation, der seine Fahrzeugbasis mit dem VW Transporter teilt. Weil die Innenraummaße identisch sind, kann dasselbe Ausbaukonzept für beide Marken angeboten werden. Bestehende Module wurden übernommen und um neue Details ergänzt.
Die Grundhaltung bleibt bewusst einfach: solide Möbel, wenig komplexe Bordtechnik und ein fair kalkulierbares Produkt. Eine Partnerschreinerei fertigt weiterhin aus Birke-Multiplex. Im kompakten Transporter ist das Mehrgewicht gegenüber Leichtbauplatten nach Chris’ Einschätzung weniger kritisch als in einer Offroad-Wohnkabine.
Bewährte Designsprache statt Technik um der Technik willen
Das neue Basisfahrzeug ändert nicht die erkennbare Designsprache des Betriebs. Im Mittelpunkt stehen sauber verarbeitete Oberflächen und Möbel, die lange funktionieren sollen; große Displays und sehr leistungsstarke Wechselrichter gehören nicht automatisch zum Konzept.
Mit ungefähr 50 Transporterausbauten pro Jahr bewegt sich Ellie Vans bereits jenseits einer kleinen Einzelanfertigung. Umfang und Dauer variieren trotzdem deutlich zwischen flachem Standard-Van und langem Hochdachfahrzeug.