Folge #15
19. März 2025
1:22 h

Expeditionskabine mit Bulli-Gemütlichkeit

mit Jannis Josten von Ellie Vans

Gäste der Folge #15: Jannis Josten

In dieser Folge bin ich bei Jannis von Ellie Vans zu Gast – mitten in Köln auf einem Werkstatthof, wo einem gleich auf den ersten Blick die Leidenschaft für den Fahrzeugbau entgegenschlägt. Hier stehen nicht nur schön ausgebaute Bullis auf dem Hof, sondern auch wilde, hochmodifizierte Rallyfahrzeuge und alles dazwischen.

Jannis hat in den letzten Jahren mit seiner Firma Ellie Vans sehr viele Bulli-Ausbauten realisiert und hat nun ein neues Projekte auf die Beine gestellt: die Trailcat-Expeditionskabine. Hier vereint er die Erfahrungen aus dem Bulliausbau mit seiner Leidenschaft für Offroadfahrzeuge und seinen Hintergrund als Maschinenbauingenieur.

Auch wenn die Trailcat äußerlich viele Ähnlichkeiten mit anderen Expeditionskabinen auf Pickups hat – innen unterscheidet sie sich auf den ersten Blick: hier hat Jannis einen Wohnraum gestaltet, der Bulli-Gemütlichkeit ausstrahlt. Wieso soll es nicht auch in so einem Fahrzeug mal richtig gemütlich sein?

Wir sprechen über den Entstehungsprozess der Trailcat-Kabine, angefangen mit den ersten Ideen, über die Konstruktion bis hin zum ersten Prototypen, der in eigener Werkstatt gefertigt wurde. Wir reden auch über die Entscheidungen, die in den Innenausbau geflossen sind, was die Unterschiede zu einem Bulliausbau sind und vieles mehr.

Expeditionskabine für Pickups: Trailcat mit Bulli-Gemütlichkeit

Jannis Josten von Ellie Vans verbindet in der Trailcat drei Erfahrungswelten: Maschinenbau, Offroad- und Rallyfahrzeuge sowie weit über hundert Bulli-Ausbauten. Im Gespräch zeichnet er den Weg vom eigenen T5 und der Panamericana-Reise bis zur konstruierten Pickup-Kabine und ihrer kleinen Produktfamilie nach. Die folgenden Abschnitte verdichten die Unterhaltung entlang ihrer Kapitel. Die Zeitmarken führen zu den jeweiligen Stellen im Podcast.

Ellie Vans zwischen Bulli-Ausbau und Rallyfahrzeugen

Auf dem Kölner Werkstatthof von Ellie Vans stehen gemütlich ausgebaute VW-Busse neben stark veränderten Offroad- und Rallyfahrzeugen. Diese Mischung beschreibt auch Jannis’ Arbeit: Fahrzeuge sollen handwerklich sauber und wohnlich sein, dürfen technisch aber weit über einen üblichen Campingausbau hinausgehen.

Jannis studierte Maschinenbau und brachte Konstruktion sowie Fahrzeugtechnik in die Werkstatt ein. Gleichzeitig lernte er durch viele Kundenprojekte, welche Grundrisse und Details sich in kompakten Reisefahrzeugen tatsächlich bewähren.

Der erste Offroad-T5 und die Reise auf der Panamericana

Ein eigener T5 wurde zum frühen Versuchsträger. Jannis baute ihn für schlechte Wege und längere Reisen um, ohne daraus ein klassisches Expeditionsmobil zu machen. Das Fahrzeug verband weiterhin die überschaubaren Maße und den wohnlichen Charakter eines Bullis mit zusätzlicher Geländetauglichkeit.

Auf einer rund neunmonatigen Reise entlang der Panamericana sammelte er Alltagserfahrung mit Ausbau, Technik und Reparaturen unterwegs. Die ursprünglich längere Route endete während der Corona-Pandemie früher als geplant. Das Projekt prägte dennoch die spätere Firmengründung und die Vorstellung, wie ein Reisefahrzeug genutzt werden soll.

Wie aus eigenen Projekten Ellie Vans entstand

Aus den eigenen Umbauten wurden zunächst Projekte für Freunde und Bekannte, anschließend ein professioneller Betrieb. Ellie Vans spezialisierte sich auf Bullis und realisierte über die Jahre weit mehr als hundert Ausbauten. Wiederkehrende Grundrisse und Arbeitsabläufe wurden dabei stetig verfeinert.

Jannis arbeitete nicht allein: Partner für Schreinerei, Polster, Metall und weitere Gewerke ergänzten die eigene Werkstatt. Diese Form der Zusammenarbeit wurde später auch für die Trailcat wichtig, weil nicht jeder Fertigungsschritt sinnvoll im eigenen Haus aufgebaut werden musste.

Warum Birke-Multiplex in den Bullis blieb

Ellie Vans setzte bei vielen Bulli-Möbeln auf Birke-Multiplex. Das Material ist nicht die leichteste denkbare Lösung, bietet aber belastbare Kanten, zuverlässige Schraubverbindungen und eine vertraute handwerkliche Verarbeitung. Für die kompakten Möbel und die gewünschte Optik war dieser Kompromiss oft passend.

Die Erfahrung floss in die Trailcat ein, wurde dort aber nicht unverändert kopiert. Eine absetzbare Kabine auf einem Pickup stellt andere Anforderungen an Gewicht, Wandaufbau und Kraftübertragung als ein Innenausbau in einer selbsttragenden Fahrzeugkarosserie.

Von der ersten Idee zur Trailcat-Expeditionskabine

Jannis wollte seine Offroad-Leidenschaft und die Ausbaupraxis in einem neuen Produkt zusammenbringen. Äußerlich orientiert sich die Trailcat an einer kompakten Pickup-Kabine, innen sollte sie jedoch nicht wie eine rein technische Expeditionsbox wirken. Der vertraute, warme Charakter der Bulli-Ausbauten wurde zum gestalterischen Ausgangspunkt.

Vor dem ersten Bau standen CAD-Konstruktion, Gewichtsabschätzung und viele Entscheidungen über Grundriss, Alkoven, Technik und Aufnahmepunkte. Der Prototyp sollte nicht nur eine Einzelidee zeigen, sondern bereits die Grundlage für weitere Kabinen bilden.

Freistehende Kabine oder feste Verbindung zum Fahrzeug?

Eine absetzbare Kabine muss im abgestellten Zustand sicher stehen und während der Fahrt zuverlässig mit dem Pickup verbunden sein. Das unterscheidet sie von einem Aufbau, der dauerhaft mit dem Fahrgestell verschraubt wird. Aufnahme, Stützen und Grundrahmen müssen beide Zustände berücksichtigen.

Die Trennung erhält die Nutzbarkeit des Pickups und macht einen Wechsel des Basisfahrzeugs grundsätzlich denkbar. Sie begrenzt aber Größe und Gewicht und verlangt definierte Schnittstellen für mechanische Befestigung und elektrische Versorgung.

Konstruktion aus Metallrahmen und Sandwichplatten

Die Trailcat besitzt einen geschweißten metallischen Grundrahmen. Darauf wird der Kabinenkörper aus Sandwichplatten aufgebaut. Belastete Anschlüsse und Befestigungspunkte werden konstruktiv verstärkt, damit Kräfte nicht punktuell in den leichten Kern eingeleitet werden.

Die Platten werden zugeschnitten und miteinander verklebt; abgesehen vom Grundrahmen benötigt der Kabinenkörper damit nur wenige geschweißte Bauteile. Entscheidend sind präzise Geometrie, vorbereitete Klebeflächen und ein Montageablauf, der die große Struktur bis zum Aushärten in Form hält.

Bongo Garage und Bulli-Gemütlichkeit im 4x4

Bei Konstruktion und Fertigung arbeitet Ellie Vans mit Partnern wie Bongo Garage und einer Schreinerei zusammen. Die Beteiligten übernehmen definierte Teile entsprechend ihrer Ausstattung und Erfahrung. Jannis kann sich dadurch auf Gesamtkonzept, Fahrzeugtechnik und Zusammenführung konzentrieren.

Innen setzt die Trailcat bewusst auf Holzoberflächen, Polster, warme Farben und eine wohnliche Aufteilung. Robustheit und Gemütlichkeit werden nicht als Gegensätze behandelt. Ein geländetaugliches Fahrzeug darf nach Jannis’ Auffassung innen ebenso einladend wirken wie ein guter Bulli-Ausbau.

Das passende Pickup-Basisfahrzeug

Nutzlast, Achslasten, Radstand und Schwerpunkt bestimmen, welcher Pickup zur Kabine passt. Die nominelle Zuladung allein reicht nicht: Ein großer Teil des Kabinengewichts wirkt auf der Hinterachse, und zusätzliche Reisetechnik, Passagiere, Wasser und Gepäck kommen hinzu.

Jannis betrachtet außerdem Geländeeinsatz, Ersatzteilversorgung und die gewünschte Fahrzeuggröße. Die Trailcat soll kompakt bleiben und die Fahreigenschaften eines Pickups möglichst wenig verschlechtern; das setzt bewusste Grenzen bei Kabinenlänge und Ausstattung.

Fertigung und elektrische Ausstattung

Der erste Kabinenkörper entstand weitgehend in der eigenen Werkstatt. Dabei wurden Zuschnitt, Klebereihenfolge und die vielen Übergänge erstmals praktisch erprobt. Für weitere Exemplare verlagerte Ellie Vans definierte Fertigungsschritte zu spezialisierten Partnern, um wiederholbare Qualität und planbarere Zeiten zu erreichen.

Die elektrische Anlage wird als Teil des Gesamtausbaus geplant. Batterie, Laden, Solar und Verbraucher müssen zum Reiseprofil passen und trotz des begrenzten Raums zugänglich bleiben. Fertige Komponenten werden eingesetzt, wo sie zuverlässig verfügbar sind; eigene Entwicklung konzentriert sich auf Fahrzeug und Kabine.

Ein geländetauglicher Innenausbau

Im Gelände wirken wiederholte Stöße und Verschränkungen auf Möbel, Beschläge und Beladung. Der Innenausbau muss deshalb formschlüssig befestigt sein, Klappen sicher verriegeln und schwere Komponenten möglichst tief und nahe an der Fahrzeugmitte tragen.

Gleichzeitig darf die Konstruktion nicht unnötig schwer werden. Jannis greift auf Erfahrungen aus Bullis zurück, passt Verbindungen und Materialeinsatz aber an die höheren Lasten der absetzbaren Kabine an. Auch Wartungszugang und die Möglichkeit, beschädigte Teile zu ersetzen, fließen in die Details ein.

Prototypenbau neben dem Tagesgeschäft

Die Trailcat entstand parallel zu laufenden Kundenprojekten. Das machte die Entwicklung langsam und erschwerte eine saubere Trennung zwischen bezahlter Werkstattzeit und Produktentwicklung. Der Prototyp band Material, Platz und viele Stunden, bevor sicher war, ob daraus weitere Aufträge entstehen würden.

Nach der ersten Kabine wurde das Konzept nicht unverändert vervielfältigt. Erfahrungen aus Bau und Nutzung führten zu überarbeiteten Details und weiteren Größen beziehungsweise Varianten. Aus dem Einzelstück entwickelte sich schrittweise eine Trailcat-Familie, ohne den handwerklichen Charakter vollständig aufzugeben.