Camperausbau in kleiner Werkstatt: Wie KlemmVan fünf Fahrzeuge im Jahr baut
Marcel Klemm erzählt, warum er KlemmVan bewusst als Einmannbetrieb führt und trotzdem auf 25 vollständige Individualausbauten in fünf Jahren zurückblickt. Das Gespräch verbindet seine Erfahrung aus der Mercedes-Produktion mit Werkstattorganisation, Projektplanung, Maschinenwahl und engem Kundenkontakt. Die folgenden Abschnitte verdichten das Gespräch entlang seiner Kapitel. Die Zeitmarken führen zu den jeweiligen Stellen im Podcast.
20 Jahre Fertigungserfahrung bei Mercedes
Marcel begann bei Mercedes mit einer Ausbildung zum Industriemechaniker für Produktionstechnik. Nach einem kurzen Abschnitt bei der Bundeswehr arbeitete er in Lackierung und Instandhaltung, programmierte Lackierroboter und begleitete den Aufbau einer neuen Tauchlackieranlage.
Als Industriemeister übernahm er später Führungsverantwortung in unterschiedlichen Bereichen der Nutzfahrzeugfertigung. Dabei lernte er nicht nur Verfahren, Maschinen und Qualitätssicherung kennen, sondern auch die Logik großer Effizienzprogramme – eine Erfahrung, die seine heutige kleine Werkstatt bis heute beeinflusst.
Der bewusste Sprung aus dem sicheren Konzern
Der Wunsch nach einer eigenen handwerklichen Arbeit wuchs über Jahre. Marcel hatte Häuser umgebaut und eigene Vans ausgebaut, während sein Berufsalltag immer stärker aus Personalführung und wiederkehrenden Effizienzprogrammen bestand. Schließlich kündigte er spontan vor einer Nachtschicht – mit Rückhalt seiner Familie.
Für einige Monate wechselte er noch in die Rüstungsindustrie und vertiefte dort Oberflächen- und Klebetechnik. Dann entschied er sich endgültig für die Selbstständigkeit. Kleben, Dichten und die aus der Fertigung mitgebrachte Prozesssicht wurden zu wichtigen Bausteinen seiner neuen Arbeit.
Warum KlemmVan ein Einmannbetrieb bleiben soll
Marcel möchte selbst am Fahrzeug arbeiten, gestalten, konstruieren und den Kundenkontakt führen. Mit Mitarbeitern würde sich ein Teil seiner Zeit erneut in Organisation und Führung verlagern – genau von dieser Entfernung vom eigentlichen Handwerk wollte er sich lösen.
Die kleine Struktur erlaubt schnelle Entscheidungen. Eine Idee für Werkzeug, Ablauf oder Konstruktion kann er unmittelbar umsetzen, ohne sie durch mehrere Ebenen abzustimmen. Wachstum und Skalierung sind deshalb kein Selbstzweck; wichtiger ist ihm, dass die Arbeit abwechslungsreich bleibt und zu seiner eigenen Arbeitsweise passt.
Fünf vollständige Individualausbauten pro Jahr
Nach ersten Teilumbauten und Nachrüstungen konzentrierte Marcel sich auf vollständige Fahrzeuge. Servicearbeiten waren für ihn schwer planbare Zeitfresser und boten weniger von dem durchgehenden Gestaltungsprozess, der ihn am Ausbau reizt.
Inzwischen entstehen meist fünf, höchstens sechs Vollausbauten pro Jahr. Für ein Fahrzeug nennt Marcel acht bis zwölf Wochen reine Werkstattzeit. Planung, Einkauf und Kundenkommunikation laufen zusätzlich. Er spricht offen über lange Tage und Samstagsarbeit – und zugleich über den Vorsatz, die Zahl der Projekte künftig eher zu reduzieren.
Ein Fahrzeug zur Zeit und sehr kurze Wege
Nach einem Versuch mit zwei parallelen Projekten arbeitet Marcel nur noch an einem Fahrzeug. Der Fokus vermeidet ständiges Umrüsten, Materialwechsel und gedankliche Sprünge. Auch für den Kunden ist klar, welches Projekt gerade die Werkstatt bestimmt.
Werkstatt, Fahrzeughalle und Wohnhaus liegen unmittelbar nebeneinander. Dadurch entfallen Arbeitswege und Marcel kann trotz langer Werkstatttage gemeinsame Mahlzeiten und Familienalltag einplanen. Zeichnen und Kalkulieren verlagert er dennoch häufig an den frühen Morgen, Abend oder Sonntag.
Wiederkehrende Abläufe ohne fertiges Ausbaumodul
Die Fahrzeuge bleiben individuell, doch bewährte Arbeitsschritte wiederholen sich. Fenster, Dachhauben, Heizung, Tanks und Elektrokomponenten werden nicht bei jedem Projekt grundsätzlich neu erfunden. Erfahrung verkürzt Einrichtung und Ausführung, während Dimensionierung und Anordnung weiter zum jeweiligen Reiseprofil passen.
Besondere Lösungen bleiben Teil des Reizes. Im Gespräch nennt Marcel etwa ein ausziehbares Bad für einen 5,40-Meter-Kastenwagen. Solche Aufgaben erfordern neue Konstruktion, bauen aber auf den bekannten Details und Materialsystemen früherer Ausbauten auf.
Gute Maschinen sparen Zeit und erhalten die Freude an der Arbeit
Marcel bezeichnet sich selbst als Werkzeug- und Maschinenliebhaber. Elektrische Kabelschuhpressen, Knabber und Blechschere nehmen wiederkehrenden Arbeiten Kraft und Zeit. Entscheidend ist nicht die möglichst große Maschine, sondern ein Werkzeug, das genau den jeweiligen Arbeitsschritt sauberer und angenehmer macht.
Die Vielfalt eines Vollausbaus hilft zusätzlich: Nach mehreren Fensterausschnitten folgt Dämmung, dann Technik und schließlich Möbelbau. Keine einzelne Tätigkeit bestimmt den Alltag dauerhaft. Diese Wechsel sind für Marcel ein wesentlicher Teil der Motivation.
Möbelbau ohne stationäre CNC-Fräse
Große Platten passen in die kleine Werkstatt und werden mit vorhandenen Maschinen und Handwerkzeugen bearbeitet. Für genaue Ausschnitte, Beschläge und besondere Konturen nutzt Marcel eine Shaper Origin. Eine große stationäre CNC ist ein möglicher späterer Ausbau, aktuell aber kein Engpass.
Bei Einzelstücken vergleicht er die digitale Vorbereitung mit dem direkten handwerklichen Weg. Eine Fahrzeugkontur vollständig ins CAD zu übertragen, aufzuspannen und einmalig zu fräsen, ist nicht automatisch schneller. Die mobile Fräse ergänzt deshalb Schablonen, Säge und Handarbeit dort, wo ihre Genauigkeit tatsächlich Zeit spart.
Fusion 360 als Planungs- und Kommunikationswerkzeug
Marcel zeichnet seine Konzepte in Fusion 360, konstruiert aber nicht jedes Fahrzeug bis zur letzten Schraube. Ein grobes 3D-Modell hilft Kunden und Ausbauer, Grundriss und Proportionen gemeinsam zu beurteilen. Einzelne komplexe Bauteile werden bei Bedarf detaillierter ausgearbeitet.
Diese Offenheit ist bewusst: Während der Fertigung entstehen häufig bessere Ideen für Schränke, Sitzgruppen oder Klappmechanismen. Eine vollständig eingefrorene Planung würde diese Flexibilität einschränken und zugleich viel Vorarbeit erzeugen, die sich bei einer Änderung wiederholt.
Vom langen Erstgespräch zum belastbaren Angebot
Der erste Kontakt führt meist zu einem zwei- bis dreistündigen Videogespräch. Eine Checkliste hilft, Reiseprofil, Ausstattung und persönliche Prioritäten zu erfassen. Ebenso wichtig ist die Frage, ob die Zusammenarbeit menschlich passt, denn über Planung und Bau entsteht über Monate enger Kontakt.
Nach diesem Gespräch erstellt Marcel eine grobe Zeichnung und meist bereits ein erstes Angebot. Bekannte Arbeiten wie Fenster oder Heizung lassen sich aus vorhandenen Kalkulationen ableiten; für Möbel und Sondermechanik braucht er das Konzept. Die erste Fassung wird häufig noch angepasst, bis Umfang und Budget zueinander passen.
Was das KlemmVan-Kundentreffen über Individualausbau zeigt
Zu einem ersten Treffen lud Marcel die Besitzer seiner bisher gebauten Fahrzeuge ein. Fast alle kamen, zeigten sich ihre eingerichteten Vans und tauschten Reiseerfahrungen aus. Die Rückmeldung war bezeichnend: Jeder Ausbau passte sichtbar zu seinem Besitzer, wäre für die anderen aber nicht automatisch die richtige Lösung gewesen.
Der Kontakt endet für Marcel nicht mit der Übergabe. Fotos von Reisen, Rückfragen und kurze Wege bei Defekten oder eigenen Fehlern gehören für ihn zum Projekt. Gerade ein kleiner Betrieb lebt von Vertrauen und guter Reputation – und davon, Probleme nicht formal abzuwehren, sondern verlässlich zu lösen.
Kleine Lieblingswerkzeuge und eine aufgeräumte Werkstatt
Neben der elektrischen Kabelschuhpresse nennt Marcel das Akku-Nietmutternwerkzeug, die Domino-Fräse, einen geführten Kantenschleifer sowie elektrische und pneumatische Kartuschenpressen. Besonders bei zähen Kleb- und Dichtstoffen verringern sie Kraftaufwand und verbessern die Dosierung. Für manche Kartuschen bevorzugt er Druckluft, weil der Antrieb mehr Reserven bietet.
Unverzichtbar bleiben zugleich Bleistift und Zollstock. Werkzeuge haben feste Plätze, mindestens einmal täglich wird die Werkstatt wieder geordnet. Für Marcel ist das kein Selbstzweck: Eine klare Umgebung hilft ihm, auch gedanklich den Überblick zu behalten und am nächsten Morgen ohne Such- und Rüstzeit weiterzuarbeiten.