Folge #26
19. November 2025
1:06 h

Echter Individualausbau mit starkem Team

mit Christian Dinraths und Arne Boden von der Camper Schmiede

Gäste der Folge #26: Christian Dinraths, Arne Boden

Wir sprechen darüber, warum sich die Camper Schmiede auf den echten Individualausbau spezialisiert hat und wie sie die planerischen und handwerklichen Herausforderungen dieser Projekte in einem zehnköpfigen Team stemmt.

Arne und Christian erklären ihren Prozess, angefangen vom ersten Kundenkontakt, über die Planungsphase, die Angebotserstellung, das Zeitmanagement und vieles mehr. Wir sprechen auch darüber, was für Erfahrungen und Techniken sich von Projekt zu Projekt übertragen lassen, obwohl die fertigen Fahrzeuge sehr unterschiedlich sind.

Außerdem bekommen wir einen Einblick in die Materialien und Komponenten, die die Camper Schmiede gerne verbaut, wie zum Beispiel eine interessante Alternative für Bodenplatten in Form einer Schaum-Strukturplatte von Armacell.

Zu guter Letzt erzählt Arne noch von ihren Erfahrungen als kleiner Betrieb auf dem Caravan Salon Düsseldorf und der CMT in Stuttgart.

Individualausbau im Camper: Planung und Teamarbeit in der Camper Schmiede

Arne und Christian erklären, wie die Camper Schmiede mit einem zehnköpfigen Team Fahrzeuge baut, deren Planung tatsächlich bei einem leeren Blatt beginnt. Im Gespräch geht es um Kundenwahl, Kalkulation und Termine, die Aufgabenverteilung im Team sowie wiederkehrende Konstruktions- und Komponentenlösungen. Die folgenden Abschnitte verdichten das Gespräch entlang seiner Kapitel. Die Zeitmarken führen zu den jeweiligen Stellen im Podcast.

Vom ersten Selbstausbau zur Camper Schmiede

Arne entwickelte als Fahrzeugtechnik-Ingenieur Fahrwerks- und Assistenzsysteme, Christian studierte Lehramt. Gemeinsam bauten sie zunächst mit Akkuschrauber und Stichsäge einen Citroën Jumper auf der Straße aus. Auf einer Reise entstand die Idee, das Fahrzeug anzubieten und mit einem zweiten Ausbau noch einmal neu anzufangen.

Ein erster Kundenauftrag platzte zu Beginn der Corona-Zeit, das fertige Fahrzeug fand aber schnell einen anderen Käufer. Mit diesem Erlös gründeten die beiden ihre Firma. Aus dem geplanten Wochenendprojekt wurde Schritt für Schritt ein Vollzeitbetrieb, der zusammen mit der frei werdenden Fläche einer bestehenden Werkstatt wachsen konnte.

Was echter Individualausbau für die Camper Schmiede bedeutet

Für Arne und Christian ist Individualausbau mehr als die Auswahl von Farben oder die Variation eines fertigen Moduls. Nutzung, Grundriss, Technik und Gestaltung werden für jedes Projekt neu entwickelt. Die Kunden sollen deshalb eigene Erfahrungen und konkrete Bedürfnisse einbringen.

Wer noch nicht weiß, wie er reisen und leben möchte, bekommt zunächst die Empfehlung, einen Camper zu mieten. Die Camper Schmiede versteht sich als Dienstleister, der ein passendes Fahrzeug gemeinsam mit dem Kunden entwickelt – nicht als Hersteller, der ein weiteres fertiges Konzept in den Markt stellt.

Ein vertrautes Team mit unterschiedlichen Fachrichtungen

Viele Mitglieder des Teams kannten mindestens einen der Gründer bereits aus Sport, Schule, Familie oder früheren Arbeitsstellen. Dieses persönliche Netz prägt den familiären Umgang, ersetzt aber nicht die fachliche Aufteilung.

Im Team arbeiten unter anderem Fachleute aus Kfz-Technik, Tischlerei, Metallbau, Trockenbau, Elektrik und Ingenieurwesen. Sie kennen den Gesamtzusammenhang eines Ausbaus, übernehmen aber schwerpunktmäßig die Arbeiten, in denen ihre Ausbildung und Erfahrung den größten Nutzen bringen.

Vom Fragebogen zum gemeinsamen Projekt

Am Anfang steht ein Fragebogen zu Basisfahrzeug, Personenzahl, Reiseprofil und gewünschter Ausstattung. Daraus entsteht eine sehr grobe Preisindikation, noch bevor ein konkreter Grundriss feststeht. Anschließend lernen sich beide Seiten im Showroom und in der Werkstatt kennen.

Die Chemie ist für die Camper Schmiede ein Auswahlkriterium: Ein Ausbau dieser Größe verlangt über lange Zeit Vertrauen und intensive Abstimmung. Gleichzeitig können Interessenten unfertige Projekte sehen und einschätzen, ob Arbeitsweise, Qualitätsverständnis und Offenheit des Betriebs zu ihnen passen.

3D-Planung und Virtual Reality vor dem Baubeginn

Mit einer Anzahlung werden Ausbauslot und erste Planung reserviert. Etwa ein halbes Jahr vor dem geplanten Beginn entsteht aus Skizzen ein dreidimensionales Modell. Darin werden nicht nur sichtbare Möbel, sondern auch Bauräume für Batterie, Heizung, Boiler und andere Komponenten berücksichtigt.

In der Virtual-Reality-Ansicht können Kunden Gangbreiten, Arbeitshöhen, Farben und Raumgefühl besser beurteilen als auf einem zweidimensionalen Plan. Das Ziel ist ein digitaler Zwilling, der den Ausbau weitgehend festlegt, bevor Material bestellt und gefertigt wird.

Angebot und Kalkulation trotz Prototypencharakter

Die erste Kostenschätzung kann erst nach der Planung zu einem detaillierten Angebot werden. Die Camper Schmiede gliedert dabei unter anderem Möbel, Elektrik, Anbauteile und Fahrwerk auf. Dennoch bleibt jeder Ausbau eine Mischkalkulation: Mehrarbeit an einer Stelle kann sich durch einen schnelleren Ablauf an anderer Stelle ausgleichen.

Um genauer zu werden, erfasst das Team seine Arbeitszeit nach Gewerken und Bauteilen. Vergleiche mit abgeschlossenen Projekten zeigen, wo Planung, Kommunikation oder Ausführung vom erwarteten Aufwand abgewichen sind. Die Zusage eines Preises verlagert verbleibende Unsicherheit weitgehend in das unternehmerische Risiko.

Warum feste Fertigstellungstermine schwierig bleiben

Projekte werden in einer Reihenfolge von Slots geplant, deren Start zunächst nur ungefähr feststeht. Im Gespräch nennen Arne und Christian mehr als tausend Stunden einschließlich Planung als typische Größenordnung für umfangreiche Fahrzeuge. Der reine Bau kann mehrere Monate beanspruchen und spätere Projekte entsprechend verschieben.

Zusätzliche Kundenwünsche und Optimierungen nach den ersten Reisen lassen sich nicht beliebig parallelisieren. Deshalb setzt der Betrieb auf regelmäßige, offene Kommunikation statt auf ein Datum, das sich bei Prototypenarbeit nicht sicher garantieren lässt. Qualität hat Vorrang, auch wenn die dadurch entstehende Unsicherheit für Kunden und Betrieb belastend ist.

Projektleitung und Fachwissen am selben Fahrzeug

Jedes Fahrzeug hat einen Projektleiter, der nahezu dauerhaft daran arbeitet und den Gesamtstand kennt. Weitere Kollegen kommen für ihre Fachgebiete hinzu. So können an einem Projekt über die gesamte Laufzeit mehrere Personen beteiligt sein, ohne dass die Verantwortung zwischen wechselnden Zuständigkeiten verloren geht.

Die Projektleiter unterstützen sich gegenseitig, wenn neue Lösungen entstehen oder eine aufwendige Phase zusätzliche Hände braucht. Diese Mischung aus fester Verantwortung und Austausch soll verhindern, dass Wissen nur in einzelnen Köpfen bleibt.

Eine Fahrzeuglehre für gerade und definierte Innenflächen

Ein Kastenwagen bietet keine geraden, reproduzierbaren Innenflächen. Die Camper Schmiede entwickelte deshalb zunächst ein CNC-gefrästes Rippensystem und arbeitet inzwischen an einer wiederverwendbaren Lehre. Sie definiert die spätere Innenkontur, während die tatsächliche Unterkonstruktion an Karosserie und Lehre ausgerichtet wird.

Das soll Produktionstoleranzen ausgleichen und bekannte Schnittebenen für CNC-gefertigte Möbel schaffen, ohne für jedes Bauteil erneut eine Schablone am Fahrzeug anzufertigen. Die Lehre wird nach dem Aufbau entfernt; im Fahrzeug bleibt nur die verklebte und verschraubte Unterkonstruktion.

Standardisierte Komponenten, individuelle Dimensionierung

Obwohl der Grundriss individuell bleibt, legt sich der Betrieb auf vertraute Produktfamilien fest. Im Gespräch nennen Arne und Christian Victron für die Elektrik, Autoterm für Luftheizungen, Wallas für wassergeführte Systeme sowie bewährte Beschläge und Schubladenführungen.

Dimensionen und Anordnung richten sich weiterhin nach dem Projekt. Eine Schublade kann exakt um das mitgebrachte Küchengerät herum entstehen, die Batteriegröße folgt dem Reiseprofil. Der wiederholte Einsatz bekannter Komponenten reduziert Lern- und Fehlerrisiken hinter den jeweils neu entworfenen Möbeln.

Warmluftboden und eine leichte Schaum-Strukturplatte

Für einzelne Projekte entwickelt das Team besondere Lösungen weiter. Eine Warmluftheizung führt beheizte Luft durch einen aufgedoppelten Boden und lässt sie an mehreren Stellen austreten. Zusätzliche Ausströmer an Bett und Schiebetür sollen kalte Luftströme abschirmen. Die Gesprächspartner bezeichnen das selbst als aufwendig und experimentell, nicht als zwingend notwendige Standardlösung.

Als Bodenplatte erprobte die Camper Schmiede außerdem eine 30 Millimeter starke Schaum-Strukturplatte von Armacell. Sie wird passend zur Fahrzeugkontur gefräst, verklebt und direkt mit dem Bodenbelag versehen. Laut Arne und Christian verbindet das Material geringes Gewicht und geringe Wasseraufnahme mit einer für ihre Konstruktion getesteten Schraub- und Trittfestigkeit.

Design Freeze: Änderungen vor die Fertigung verlagern

Frühere Projekte enthielten während des Baus noch Entscheidungsschleifen. Mit dem detaillierten digitalen Modell möchte die Camper Schmiede diese Änderungen möglichst in die Planungsphase verlagern. Nach einem gemeinsam vereinbarten Design Freeze wird nach dem freigegebenen Stand gebaut.

Späte Änderungen bleiben technisch denkbar, können aber Angebot, Materialbestellung und bereits geleistete Arbeit entwerten. Der verbindliche Plan schützt deshalb nicht nur den Zeitplan, sondern macht die Kosten eines ansonsten offenen Individualprojekts überhaupt beherrschbar.

Als kleiner Ausbaubetrieb auf einer großen Messe

Auf Caravan Salon und CMT zeigt die Camper Schmiede konkrete Kundenfahrzeuge, muss aber zugleich erklären, dass das nächste Projekt anders aussehen kann. Einmal demonstrierte sie den Prozess sogar mit einem leeren Fahrzeug und einer VR-Brille. Besucher sollten nicht ein Modell auswählen, sondern die Qualität und Herangehensweise kennenlernen.

Für Düsseldorf nennen die Gründer rund 15.000 Euro Standkosten sowie mehr als 20 aufeinanderfolgende Arbeitstage aus Vorbereitung, Messe und Nachbereitung. Der direkte Auftragserfolg lässt sich kaum isolieren. Wichtiger sind Sichtbarkeit, Vertrauen, Kontakte und die Etablierung der Marke – abgewogen gegen eine bereits sehr lange Auftragsvorlaufzeit.