Modularer Camperausbau und Aufstelldach für Sprinter und Crafter
Raphael und David von Campany erklären ihr vollständig standardisiertes Möbelsystem und die Entwicklung eines eigenen Aufstelldachs. Sichtbare Zapfen und sechseckige Aussparungen geben den Ausbauten eine klare Gestaltung, dienen aber ebenso der effizienten Fertigung. Die folgenden Abschnitte fassen das Gespräch entlang seiner Kapitel zusammen. Die Zeitmarken führen zu den jeweiligen Stellen im Podcast.
Wie Campany zum modularen Ausbau kam
Raphael und David begannen mit individuellen Projekten, suchten für ihren kleinen Betrieb aber nach einer besser wiederholbaren Bauweise. Statt jedes Möbel neu zu konstruieren, entwickelten sie Module, die sich zu unterschiedlichen Ausbauvarianten kombinieren lassen.
Die Standardisierung betrifft nicht nur Maße, sondern auch Verbindungen und Fertigungslogik. Charakteristische Sechseckaussparungen reduzieren Material und werden zum Gestaltungselement; offen sichtbare Zapfen zeigen, wie die Platten miteinander verbunden sind.
Was ein Campany-Ausbau umfasst und kostet
Campany bietet Module und komplette Ausbauten an. Kunden können eine definierte Kombination wählen, ohne dass daraus ein vollkommen unveränderliches Fahrzeug wird. Ausstattung und Zusammenstellung richten sich weiterhin nach Basisfahrzeug und Nutzung.
Beim Budget trennen Raphael und David zwischen Möbelmodulen, technischer Ausstattung und Einbau. Ein transparentes System erleichtert die Kalkulation, doch hochwertige Materialien, Beschläge und handwerkliche Montage bleiben auch bei wiederholbaren Teilen relevante Kostenfaktoren.
Gewicht und Materialien des Modulsystems
Gewicht wird durch Materialstärke, gezielte Aussparungen und eine Konstruktion bestimmt, die nicht an jeder Stelle massive Rahmen benötigt. Die sechseckigen Öffnungen sparen Masse und erlauben zugleich Einblicke oder Zugriff, ohne den Charakter des Systems zu verlieren.
Campany verarbeitet Plattenwerkstoffe, die sich präzise fräsen und mit wiederholbaren Steck- und Zapfenverbindungen montieren lassen. Materialwahl und Oberflächen sind auf die CNC-Fertigung, die nötige Stabilität und eine möglichst direkte Endbearbeitung abgestimmt.
Wie sich die Bauweise weiterentwickelt hat
Die heutige Konstruktion entstand über mehrere Generationen. Passungen, Reihenfolge der Montage und Details an Kanten oder Beschlägen wurden aus realen Ausbauten heraus verändert. Ein Modulsystem ist damit nicht einmal entworfen und anschließend fertig, sondern sammelt Erfahrungen aus jedem Fahrzeug.
Für die kleine Werkstatt bringt das klare Vorteile: Teile können vorbereitet, Fehler leichter zurückverfolgt und Arbeitsschritte zwischen Personen aufgeteilt werden. Gleichzeitig wird eine Änderung am Grundsystem nur dann übernommen, wenn sie mit den übrigen Modulen kompatibel bleibt.
Raphaels und Davids Weg zu Campany
Beide brachten unterschiedliche Erfahrungen in Gestaltung, Fertigung und Fahrzeugausbau mit. Im Gespräch wird deutlich, dass Campany gerade aus dieser Verbindung entstand: Produktideen müssen nicht nur technisch funktionieren, sondern auch herstellbar, montierbar und für Kunden verständlich sein.
Die Rollen entwickelten sich mit dem Unternehmen. Konstruktion, Werkstatt, Einkauf, Kundenkontakt und Organisation werden aufgeteilt, ohne dass die beiden den praktischen Bezug zu den Produkten verlieren.
Warum Campany ein eigenes Aufstelldach entwickelte
Für Sprinter und Crafter fanden Raphael und David kein Dach, das ihren Vorstellungen vollständig entsprach. Sie entwickelten deshalb einen eigenen Aufbau mit markanter Form und viel nutzbarem Raum. Der erste Prototyp entstand unter einfachen Bedingungen und verlangte zahlreiche praktische Lösungen, bevor an eine Serie zu denken war.
Ein Aufstelldach ist weit mehr als eine große Haube. Ausschnitt, Rahmen, Scharniere, Hubmechanik, Zeltbalg, Verriegelung und Abdichtung müssen zusammenwirken. Außerdem greift der Einbau in die Fahrzeugstruktur ein und benötigt entsprechende Nachweise.
Vom Prototyp zur lokalen Kleinserienfertigung
Campany fertigt die Dächer nicht mehr vollständig allein. Eine lokale Partnerfirma übernimmt definierte Produktionsschritte, während Campany Konstruktion, Qualitätsanforderungen und Weiterentwicklung verantwortet. So lässt sich eine gleichmäßigere Kleinserie herstellen, ohne im eigenen Betrieb sämtliche Maschinen und Verfahren aufzubauen.
Auch der Einbau wurde auf Partner erweitert. Dafür müssen Teile, Anleitungen und Prüfschritte so eindeutig sein, dass das Ergebnis nicht von improvisiertem Wissen aus dem Prototypenbau abhängt.
Arbeitsteilung bei Konstruktion und Fertigung
Raphael, David und externe Partner teilen Entwicklung, Metallarbeiten, Dachfertigung und Montage untereinander auf. Komponenten werden so gestaltet, dass sie mit verfügbaren Verfahren zuverlässig hergestellt werden können – etwa durch Kanten, Schweißen, Fräsen oder den Einsatz vorgefertigter Formen.
Diese Arbeitsteilung reduziert nicht automatisch den Abstimmungsbedarf. Toleranzen und Schnittstellen müssen genauer beschrieben werden, weil eine kleine Änderung bei einem Partner die spätere Montage beeinflussen kann.
Zukaufteile bewusst in das Dachsystem integrieren
Nicht jede Komponente wird eigens entwickelt. Gasfedern, Beschläge, Dichtungen oder andere Zukaufteile können erprobte Lösungen bieten. Entscheidend ist, dass ihre Kennwerte, Verfügbarkeit und Einbausituation zum Gesamtsystem passen.
Bei Kleinserien wird Lieferbarkeit schnell zur Konstruktionsfrage. Ein schwer ersetzbares Teil kann die Fertigung stoppen; eine Alternative kann neue Bohrbilder oder Prüfungen verlangen. Campany versucht deshalb, Eigenentwicklung dort einzusetzen, wo sie einen echten Unterschied macht.
Eigene Reisefahrzeuge und der Schritt zum Onlineshop
Raphael und David nutzen selbst ausgebaute Fahrzeuge und gewinnen daraus Rückmeldungen für Module und Dach. Reisen macht andere Schwächen sichtbar als die Montagehalle: Bedienung im Alltag, Geräusche, Stauraum und der Aufwand für wiederkehrende Umbauten.
Mit einem Onlineshop möchte Campany einzelne Produkte und klar definierte Module auch außerhalb kompletter Werkstattprojekte anbieten. Dafür müssen Varianten, Lieferumfang und Einbauvoraussetzungen besonders verständlich dokumentiert sein. Der Shop ist damit nicht nur ein weiterer Verkaufskanal, sondern verlangt zusätzliche Standardisierung.