Folge #25
12. November 2025
1:50 h

Hinter den Kulissen der Holzfräse

mit Burkhard Bessler von der CNC Holzfräse

Gäste der Folge #25: Burkhard Bessler

Wir sprechen über die Entstehungsgeschichte der CNC Holzfräse und viele konstruktive und technischen Details, die in der Maschine drinstecken.

Burkhard erzählt seine eigene Geschichte im Hinblick auf die CNC Technik und wie sich aus den ersten Selbstbaumaschinen im Keller mit der Zeit sein Hauptstandbein entwickelt hat. Wir sprechen über die Ausrichtung der Maschine am Markt und die Abgrenzung zu den größeren, schwereren Industriemaschinen und der Konkurrenz aus Fernost.

Dann unterhalten wir uns darüber, warum die Fräse in der ungewöhnlichen Bauweise aus Holzwerkstoffen gefertigt wird, wie sich diese Bauweise und die verwendeten Materialien mit der Zeit verändert haben, und was diese Bauweise in Burkhards Augen für Vorteile mit sich bringt.

Auch viele technische Details kommen nicht zu kurz: Wir sprechen über die Unterschiede von Schritt- und Servomotoren, Spindel- und Zahnstangenantriebe, Linearführungen, die Frässpindel, den Aufbau des Vakuumtischs, die Steuerung der Fräse und die Integration mit CAD Software.

CNC-Holzfräse für den Camperausbau: Maschinenbau zwischen Holz und Digitalisierung

Burkhard Bessler erzählt, wie aus einer selbst gebauten Kellerfräse ein Maschinenkonzept für kleine Tischlereien und andere handwerkliche Betriebe wurde. Das Gespräch verbindet seine Gründungsgeschichte mit dem Aufbau einer CNC-Fräse, Antrieben, der ungewöhnlichen Holzkonstruktion, Fräsparametern, Vakuumtisch und Steuerung. Die folgenden Abschnitte verdichten das Gespräch entlang seiner Kapitel. Die Zeitmarken führen zu den jeweiligen Stellen im Podcast.

Vom Tischlerhandwerk zur eigenen CNC-Fräse

Burkhard begann mit 15 seine Tischlerausbildung und war anschließend über Jahrzehnte selbstständig. CNC-Technik begegnete ihm früh in der Berufsschule, blieb für seine eigene kleine Schreinerei aber lange eine schwer zugängliche Welt aus großen Maschinen, spezieller Programmierung und hohen Investitionen.

Erst eine kompakte Fräse aus dem Modellbau zeigte ihm, dass digitale Fertigung auch auf kleiner Fläche möglich ist. Besonders reizte ihn, wiederkehrende Bearbeitungen planbarer zu machen und den lästigen Teil der Arbeit an die Maschine abzugeben, während für Gestaltung und handwerkliche Entscheidungen mehr Zeit bleibt.

Die erste Kellerfräse und der Weg zum Bausatz

Aus Daten eines Modellbau-Konzepts fräste Burkhard seine erste eigene Maschine. Mechanik und Elektronik konnte er zusammensetzen, bei der Inbetriebnahme half schließlich seine Frau: Sie schrieb das erste Programm und brachte die Fräse dazu, ein Quadrat zu fertigen.

Aus dem Prototyp entstand ein Bausatz in mehreren Größen. Die eigene Fräse produzierte die Teile für ihre Nachfolger. Zunächst kam eine Bestellung im Monat, später eine pro Woche – bis die Arbeit an den Maschinen wirtschaftlich wichtiger wurde als Burkhards damalige handwerkliche Dienstleistungen.

Ein Großauftrag macht aus dem Nebenprojekt ein Unternehmen

Ein Besucher aus Indonesien interessierte sich für die Fräsen zur Fertigung von Lautsprechergehäusen. Aus einem zunächst unverbindlichen Werkstattbesuch wurde kurze Zeit später ein großer Auftrag mit zwei CNC-Maschinen, weiterer Werkstattausrüstung und Schulung.

Für Burkhard war das der Übergang vom nächtlichen Nebenprojekt zum Maschinenbau. Gleichzeitig prägte die Schulung sein späteres Konzept: Kunden sollen nicht nur eine Fräse erhalten, sondern den Weg von der Zeichnung über die Datenaufbereitung bis zum fertigen Teil nachvollziehen können.

Wenn das analoge Handwerk digital vorausdenken muss

Beim konventionellen Möbelbau werden viele Maße erst am bereits gefertigten Korpus abgenommen. Für die CNC-Fertigung müssen diese Entscheidungen früher fallen: Bauteile, Beschläge, Fugen und Bearbeitungen werden im CAD vollständig geplant, bevor die Platte auf der Maschine liegt.

Damit verlagert sich ein Teil des handwerklichen Kapitals in wiederverwendbare Daten. Die Maschine ersetzt nach Burkhards Verständnis nicht die Gestaltung, sondern führt vorbereitete Bearbeitungen reproduzierbar aus. Beim ersten Einzelteil ist das nicht zwingend schneller; ab dem zweiten entfällt jedoch ein großer Teil der Planung und Einrichtung.

Die Marktnische zwischen Handmaschinen und Industrieanlage

Viele kleine Tischlereien sind über Generationen in engen oder verwinkelten Gebäuden gewachsen. Mehrere Tonnen schwere Bearbeitungszentren passen dort räumlich und wirtschaftlich oft nicht hinein. Burkhard richtet seine Maschine deshalb bewusst auf kleine Betriebe und Einzelstückfertigung aus.

Das Werkstück bleibt auf einem flächigen Tisch liegen, während das Portal darüber verfährt. Dadurch beansprucht die Maschine im Verhältnis zur Arbeitsfläche wenig Raum und empfindliche Platten müssen seltener bewegt werden. Das Konzept soll mehrere sonst getrennte Bearbeitungen auf einer Plattform bündeln, ohne mit einer industriellen Serienmaschine konkurrieren zu wollen.

Die vier Grundelemente einer Portalfräse

Burkhard teilt die Maschine in Untergestell, Tischebene, fahrendes Portal mit Z-Achse und Steuerungspult. Das ausrichtbare Untergestell schafft die geometrische Basis, auf dem Tisch wird das Werkstück gespannt, und Portal sowie Z-Achse positionieren die Frässpindel in drei Raumrichtungen.

Vor der Auslieferung werden unter anderem Fahrstrecken, Ebenheit, Positionier- und Wiederholgenauigkeit, Umkehrspiel und Rechtwinkligkeit geprüft. Nicht ein einzelner Messwert, sondern die Abstimmung der gesamten Mechanik entscheidet darüber, ob Konturen und Bohrungen zueinander passen.

Schrittmotoren, Closed Loop und Servoantriebe

Die Holzfräse arbeitet im beschriebenen Konzept mit Schrittmotoren. Burkhard schätzt ihre einfache, robuste Funktionsweise und das konstante Verhalten bei wechselnden Widerständen im Holz. Closed-Loop-Systeme können einen Schrittverlust erkennen; Servos regeln ihre Bewegung über einen Geber wesentlich feiner und dynamischer nach.

Mehr Rückmeldung bedeutet für seinen Anwendungsfall nicht automatisch einen größeren Nutzen. Komplexität, Mehrpreis und Wartbarkeit fließen ebenso in die Auswahl ein wie Leistung. Burkhards Bewertung bezieht sich auf seine Maschinen und typische Holzwerkstoffe – andere Werkstoffe, Geschwindigkeiten oder Genauigkeitsanforderungen können eine andere Antriebslösung verlangen.

Zahnstangen, Kugelumlaufspindel und Linearführungen

Auf den langen X- und Y-Achsen übertragen Zahnstangen die Drehbewegung der Motoren in schnelle lineare Fahrten. Der Vorteil zeigt sich vor allem beim Positionieren zwischen Bearbeitungen. Eine langsamere Kugelumlaufspindel würde bei großen Platten unnötige Wartezeiten verursachen.

Auf der kurzen Z-Achse setzt die Maschine dagegen eine Kugelumlaufspindel ein. Dort sind die Wege klein und eine präzise Eintauchbewegung wichtiger als ein langer Eilgang. Linearführungen tragen und führen die bewegten Baugruppen; ihre genaue Ausrichtung ist Teil der aufwendigen Vermessung.

Warum die CNC-Holzfräse tatsächlich aus Holzwerkstoffen besteht

Die ersten Maschinen bestanden aus beschichtetem Birkenmultiplex. Eine verkastete Rippenbauweise erzeugte die benötigte Steifigkeit bei geringerem Gewicht als ein massiver Stahlrahmen. Burkhard sieht zudem einen Vorteil in der Dämpfung: Holzwerkstoffe bauen Schwingungen anders ab als Stahl, was den Einsatz kleiner Fräser unterstützt.

Lieferprobleme und schwankende Qualität führten später zum Wechsel auf eine wasserfeste, durchgefärbte Faserplatte. Weil sie spröder ist und sich an Kanten anders verschrauben lässt, musste die Maschine neu konstruiert werden. Größere Leimflächen, verdeckte Zapfen und metrische Verbindungstechnik ersetzen dabei frühere Details aus dem Multiplexbau.

Frässpindel und ein mitwachsendes Maschinenkonzept

Aus einer einfachen Hochfrequenzspindel mit manueller Werkzeugspannung entwickelte sich eine größere Aufnahme und später ein Schnellwechselsystem. Ein vollautomatischer Werkzeugwechsel war zum Aufnahmezeitpunkt Gegenstand eines Entwicklungsprojekts.

Burkhard versteht solche Funktionen als nachrüstbare Ausbaustufen. Eine Werkstatt kann mit einfacher Spannung und manuellen Werkzeugwechseln beginnen und Vakuumtisch, Automatisierung oder andere Optionen ergänzen, wenn Auftragslage und Arbeitsweise sie rechtfertigen.

Fräsparameter für Multiplex und kleine Werkzeuge

Für das frühere 18-Millimeter-Multiplex nennt Burkhard als erprobtes Beispiel einen Vier-Millimeter-Einschneider, zwei Zustellungen und fünf Meter Vorschub pro Minute. Diese Werte stammen aus der eigenen Serienfertigung von Maschinenteilen und sind keine universelle Empfehlung: Werkzeuggeometrie, Spindeldrehzahl, Plattenqualität, Spannung und Maschine bestimmen gemeinsam einen sicheren Schnitt.

Der kleine Fräser entfernt weniger Material und erzeugt einen Span, der im Schnitt teilweise verdichtet bleibt. Bei zuerst ausgeführten Innenbearbeitungen und anschließend gefräster Außenkontur konnten Teile anfangs sogar ohne vollflächigen Vakuumtisch gefertigt werden. Für Spanplatte entwickelte das Unternehmen später einen diamantbestückten Fünf-Millimeter-Fräser.

Ein Vakuumtisch nach dem Vorbild eines Blattes

Der heutige Vakuumtisch verteilt den Luftstrom nicht nur über ein gleichmäßiges Kreuzraster. Verästelte Kanäle orientieren sich am Aufbau eines Blattes: Von Hauptwegen führen immer feinere Strukturen in die Fläche. Burkhard möchte damit auch in Randbereichen ausreichend Strömung und Spannkraft mit vergleichsweise kleinen Pumpen erreichen.

Ölgeschmierte Vakuumpumpen erzeugen dabei weniger Luftvolumen, aber einen höheren Unterdruck als typische Seitenkanalverdichter. Die Opferplatte und verbleibende Späne helfen, Durchfräsungen abzudichten. Kleine Teile bleiben dennoch eine besondere Aufgabe; Spannfläche, Leckage und Schnittkräfte müssen bei jedem Nest berücksichtigt werden.

Von CAD und CAM zur autarken Maschinensteuerung

Im Schaltschrank verarbeitet eine Steuerung den aus dem CAM-System erzeugten DIN-ISO-Code. Der Maschinenrechner arbeitet bewusst auch ohne dauerhafte Internetverbindung; Programme können per USB-Stick aus dem Büro in die Werkstatt gelangen. Das soll die Fräse unabhängig von Netzabdeckung und unnötigen Softwareänderungen halten.

Als CAD-Basis nennt Burkhard Rhino, weil sich damit freie und organische Konturen zeichnen lassen. Ergänzende Software erzeugt Korpusse und übersetzt Zeichnungen über einen Postprozessor in Maschinencode. Gerade im Camperausbau liegt die eigentliche Hürde oft davor: Fahrzeugkonturen müssen zunächst verlässlich aufgenommen und in bearbeitbare Geometrie übersetzt werden.