Folge #11
22. Januar 2025
1:25 h

Aus dem Autohaus zur Wohnmobilwerkstatt

mit Eric Marquardt und Felix Möhres von Vamper

Gäste der Folge #11: Eric Marquardt, Felix Möhres

Ich spreche mit Eric und Felix über die ersten vier Jahre ihrer Wohnmobil- und Caravanwerksatt Vamper und welche Herausforderungen sie in der Anfangsphase und beim Wachsen ihres Unternehmens zu meistern hatten.

Die beiden erzählen, wie es überhaupt zur Gründung gekommen ist, und wie sie den Wechsel aus dem Angestelltenverhältnis in das Unternehmertum geschafft haben. Wir reden über die Verantwortung und den finanziellen Druck, der mit der Anmietung einer großen Halle und dem Einstellen der ersten Mitarbeiter einhergeht.

Wir sprechen auch über den schwierigen Prozess, ein funktionierendes Team aufzubauen, damit Zeit dafür entsteht, sich wieder mit der Weiterentwicklung des Unternehmens befassen zu können und nicht nur die Brände im Tagesgeschäft löschen zu müssen. Dazu gehört auch die Optimierung der internen Prozesse, angefangen bei der Kundenkommunikation, über die Lagerhaltung bis zur Auftragsabwicklung.

Bei allem Stress in der Firma berichten Eric und Felix aber auch, wie sie nach einigen Jahren jetzt auch zunehmend die positiven Seiten des Unternehmerdaseins in Form von freier Zeiteinteilung zu schätzen wissen – auch wenn die Arbeit nicht weniger geworden ist.

Wohnmobilwerkstatt gründen: Wachstum, Prozesse und Teamaufbau bei Vamper

Eric Marquardt und Felix Möhres blicken auf die ersten vier Jahre ihrer Berliner Wohnmobil- und Caravanwerkstatt Vamper zurück. Sie erzählen vom Start neben dem Beruf, einer großen Halle, finanzieller Verantwortung und der Arbeit an einem Team, das nicht nur das Tagesgeschäft bewältigt. Die folgenden Abschnitte verdichten das Gespräch entlang seiner Kapitel. Die Zeitmarken führen zu den jeweiligen Stellen im Podcast.

Vamper als Teil des Berliner Ausbauer-Netzwerks

Florian beschreibt Vamper als einen wichtigen Knotenpunkt unter Berliner Ausbauern. Die Werkstatt übernimmt Reparaturen, Nachrüstungen und technische Arbeiten, die andere Betriebe nicht selbst anbieten oder für die ihnen im Tagesgeschäft die Kapazität fehlt. Umgekehrt verweist Vamper Kunden für spezialisierte Leistungen an passende Partner.

Das Netzwerk beruht weniger auf formalen Kooperationen als auf persönlichen Kontakten und dem Wissen, wer welche Aufgabe gut lösen kann. Für Kunden entsteht daraus eine größere Bandbreite, ohne dass jeder kleine Betrieb sämtliche Gewerke im eigenen Haus aufbauen muss.

Eric und Felix zwischen Autohaus, Technik und Campern

Eric brachte viele Jahre Erfahrung aus dem Autohaus mit – von Fahrzeugverkauf und Service bis zu den Abläufen größerer Betriebe. Felix kam stärker aus dem technischen und praktischen Bereich und beschäftigte sich bereits mit Elektronik und Infotainment. Beide verband das Interesse an Campern und der Wunsch, selbstbestimmter zu arbeiten.

Diese unterschiedlichen Hintergründe wurden später zu einer Arbeitsteilung: Kunden, Organisation und Unternehmensentwicklung treffen auf Fehlersuche, Nachrüstung und handwerkliche Umsetzung.

Vom ersten Auftrag zur Werkstatt neben dem Beruf

Vamper entstand nicht mit einem vollständigen Geschäftsplan für einen großen Betrieb. Eric begann mit Arbeiten an Freizeitfahrzeugen, zunächst parallel zu seiner Anstellung. Aufträge, Empfehlungen und der erkennbare Bedarf an Reparatur- und Nachrüstleistungen ließen das Projekt schrittweise wachsen.

Der Start neben dem Beruf senkte das persönliche Risiko, begrenzte aber Zeit und Reaktionsfähigkeit. Irgendwann ließ sich die Nachfrage nicht mehr in Abenden und Wochenenden abarbeiten. Der Schritt in die Vollzeit-Selbstständigkeit wurde damit zugleich Chance und Notwendigkeit.

Der Sprung in Vollzeit und Felix’ Einstieg

Mit der Vollzeitgründung änderte sich die Größenordnung. Eine Werkstatt benötigt dauerhaft Aufträge, Ausstattung und verlässliche Abläufe. Felix stieg später in das Unternehmen ein und ergänzte Eric fachlich. Aus einem von einer Person getragenen Betrieb wurde eine gemeinsame Firma mit wachsendem Team.

Die beiden schildern diesen Übergang nicht als geradlinige Erfolgsgeschichte. Rollen und Verantwortlichkeiten mussten sich erst entwickeln, während gleichzeitig Kundenfahrzeuge fertig werden und Rechnungen bezahlt werden mussten.

Große Halle, Mitarbeiter und finanzieller Druck

Die Anmietung einer großen Halle und die ersten Einstellungen erhöhten die monatlichen Fixkosten deutlich. Damit trug nicht mehr nur der eigene Lebensunterhalt zum Druck bei: Miete, Löhne, Material und laufende Verpflichtungen mussten unabhängig davon bezahlt werden, ob Kunden rechtzeitig überwiesen oder ein Auftrag unerwartet länger dauerte.

Auch die Kapitalbeschaffung war belastend. Eric und Felix kamen zwar aus funktionierenden Unternehmen und brachten Erfahrung mit, mussten Banken und andere Stellen aber erst von einem jungen Betrieb in einer schwer einzuordnenden Branche überzeugen. Liquidität wurde zu einer ebenso wichtigen Aufgabe wie die eigentliche Werkstattarbeit.

Was an der Wohnmobilbranche überraschte

Die Vielfalt der Fahrzeuge, Hersteller und Aufbauweisen machte die Arbeit schwerer planbar als klassischen Service an wenigen Pkw-Modellen. Viele Reisemobile verbinden Fahrzeugtechnik, Möbelbau, Gas, Wasser, Elektrik und herstellerspezifische Komponenten. Dokumentation und Ersatzteile sind nicht immer schnell verfügbar.

Eric und Felix sahen zugleich eine Lücke: Händler verkaufen Fahrzeuge, ihre Werkstätten sind aber nicht automatisch auf individuelle Nachrüstungen, komplexe Fehlersuche oder markenübergreifende Reparaturen eingerichtet. Vamper konzentrierte sich deshalb zunehmend genau auf diesen Werkstattbedarf.

Fokussierung und bessere interne Abläufe

Mit dem Wachstum mussten Eric und Felix klarer entscheiden, welche Arbeiten zum Betrieb passen. Eine Werkstatt kann nicht jede kreative Anfrage wirtschaftlich lösen. Der Fokus auf Reparaturen und Nachrüstungen erleichterte Investitionen, Personalsuche und die Kommunikation des Angebots.

Parallel wurden die unsichtbaren Prozesse wichtiger: Anfragen erfassen, Fahrzeuge annehmen, Teile rechtzeitig bestellen, Arbeitsstände dokumentieren und Kunden informieren. Auch Lagerhaltung und Auftragsabwicklung mussten vom persönlichen Gedächtnis einzelner Personen in gemeinsam nutzbare Abläufe überführt werden.

Kreative Lösungen brauchen trotzdem wirtschaftliche Grenzen

Individuelle Fahrzeuge verlangen oft Improvisation. Vamper versucht, Kunden nicht nur Standardteile zu verkaufen, sondern eine Lösung für ihr konkretes Problem zu finden. Genau diese Offenheit kann jedoch viel Diagnose-, Recherche- und Entwicklungszeit binden.

Die Werkstatt muss deshalb früh klären, was technisch realistisch ist, wie sich der Aufwand abrechnen lässt und welche Risiken bleiben. Eine gute Idee wird erst dann zum tragfähigen Auftrag, wenn Material, Arbeitszeit und Verantwortung ebenfalls berücksichtigt sind.

Ein Team aufbauen und Wissen weitergeben

Personalmanagement erwies sich als eine der schwierigsten Wachstumsaufgaben. Gesucht werden Menschen, die handwerklich arbeiten, technische Zusammenhänge verstehen und mit der ungewöhnlichen Mischung in Freizeitfahrzeugen umgehen können. Reine Kfz-Erfahrung deckt nicht automatisch Möbel, Wasser oder Bordelektrik ab.

Neue Mitarbeiter entlasten die Gründer zudem nicht sofort. Einarbeitung kostet zunächst zusätzliche Zeit; Qualitätsmaßstäbe, Dokumentation und typische Lösungswege müssen erklärt werden. Erst wenn Verantwortung wirklich übergeben werden kann, entsteht wieder Raum für Unternehmensentwicklung statt permanenter Brandbekämpfung.

Selbstbestimmte Zeit und saisonale Werkstattauslastung

Nach mehreren anstrengenden Jahren erleben Eric und Felix zunehmend eine positive Seite des Unternehmertums: Sie können Arbeitszeit anders verteilen und private Termine oder Auszeiten selbstständiger planen. Weniger Arbeit bedeutet das nicht – wohl aber mehr Einfluss darauf, wann und wofür sie geleistet wird.

Eine verbleibende Herausforderung ist der Winter. Viele Kunden denken erst kurz vor oder während der Reisesaison an Reparaturen und Nachrüstungen. Die Werkstatt muss diese Spitzen bewältigen und zugleich Wege finden, ruhigere Monate sinnvoll auszulasten.