Folge #2
2. Oktober 2024
1:00 h

Herstellung von Leichtbauplatten

mit Andreas Büchner von epicPLY

Gäste der Folge #2: Andreas Büchner

Ich spreche mit Andreas darüber, wie Leichtbauplatten hergestellt werden – angefangen vom Anbau der Albasia-Bäume in Indonesien, über die Produktion der rohen Platten bis hin zur Veredelung mit diversen Dekoren in Europa.

Andreas gibt uns einen Einblick in die vielen Details im Herstellungsprozess, die alle richtig laufen müssen, damit am Ende ein hochwertiges Produkt dabei herauskommt. Wir unterhalten uns auch darüber, was dabei alles schief gehen kann und wie man so eine leichte, aber auch weiche Platte verarbeitet.

Außerdem sprechen wir über Andreas berufliche Wandlung, von seiner eigenen Ausbaufirma Movovan hin zum stellvertretenden Geschäftsführer von epicPLY, und wie es in Zukunft an seinem Movovan Standort in Strausberg bei Berlin weitergeht.

Leichtbauplatten für den Camperausbau: Herstellung, Oberflächen und Verarbeitung

Im Gespräch gehen Florian und Andreas Büchner von epicPLY die Entstehung einer Leichtbauplatte Schritt für Schritt durch: vom Anbau des Albasia-Holzes in Indonesien über die Herstellung der rohen Multiplexplatte bis zur Beschichtung in Europa. Die folgenden Abschnitte fassen das Gespräch zusammen. Die Zeitmarken führen zu den jeweiligen Kapiteln im Podcast.

Wie Andreas vom Camperausbau zu epicPLY kam

Der Kontakt zu epicPLY entstand aus einem praktischen Problem bei Movovan. Anfangs baute das Unternehmen seine Camper mit Birke-Multiplex. Mit größeren Fahrzeugen wurde das Gewicht wichtiger und Movovan ließ deshalb italienisches Pappelsperrholz in einer passenden Stärke produzieren. So sollten die vorhandenen CNC-Daten weiterverwendet werden können.

Die Qualität überzeugte jedoch nicht dauerhaft: Oberflächen lösten sich und ganze Chargen mussten zurückgegeben werden. Auf der Suche nach einer Alternative stieß Andreas auf Jacob Jürgensen Wood. Der Hamburger Holzimporteur führte Albasia-Sperrholz bereits seit Jahren für industrielle Abnehmer und hatte epicPLY gemeinsam mit Julian Ludwig gegründet.

Movovan kaufte die Platten zunächst wie jede andere Ausbaufirma ein. Nachdem Andreas gute Erfahrungen mit dem Material gemacht hatte, wechselte er schließlich selbst zu epicPLY – vom Kunden auf die Lieferantenseite.

Anbau des Albasia-Holzes in Indonesien

Die Herstellung beginnt auf der indonesischen Insel Java. Andreas beschreibt Albasia als schnell wachsendes Plantagenholz, das dort in Mischbeständen angebaut wird. Zwischen den Bäumen wachsen beispielsweise Kaffee und andere Pflanzen. Seiner Erklärung nach eignet sich Albasia nicht gut für reine Monokulturen.

Vom Aufbau und von der geringen Dichte her vergleicht Andreas das Holz mit Pappel. Ein Albasia-Baum sei bereits nach ungefähr drei bis sechs Jahren erntereif.

Die Setzlinge werden zunächst in einer Aufzuchtstation herangezogen und anschließend an Bauern weitergegeben. Diese pflanzen und pflegen die Bäume, bis sie gefällt und verkauft werden können. Bei den genauen Besitzverhältnissen der Anbauflächen bleibt Andreas ausdrücklich vorsichtig – diesen Teil der Lieferkette kennt er nur aus den Präsentationen und Berichten seiner Partner.

Vom Baum zur rohen Multiplexplatte

Nach der Ernte wird der Stamm geschält. Florian vergleicht das anschaulich mit einem Bleistiftspitzer: Der eingespannte Stamm dreht sich gegen ein Messer, sodass ein langes Furnierband entsteht.

Dieses Band soll möglichst wenig brechen. Fehlstellen können später als Lufteinschlüsse oder sogenannte Pinholes in der Platte sichtbar werden. Die Furnierlagen werden deshalb nach Qualität, Astlöchern und anderen Fehlern sortiert. Beschädigte Stellen müssen ausgeschnitten oder ausgebessert werden.

Anschließend werden die Lagen kreuzweise übereinandergelegt und verleimt. epicPLY verwendet einen Multiplexaufbau mit vergleichsweise vielen Schichten. Die Auswahl und Anordnung der Furniere ist zumindest teilweise Handarbeit, weil Erfahrung nötig ist, um die Qualität einer Lage zu beurteilen.

Die frisch verpresste Rohplatte besitzt noch nicht ihr endgültiges Maß. Ihre Kanten sind unbesäumt und auch die Dicke wird erst bei der späteren Verarbeitung auf das benötigte Maß gebracht.

Andreas unterscheidet dabei bewusst zwischen „wasserfest“ und „feuchtigkeitsresistent“: Für die Verbindung der Furnierlagen werde ein feuchtigkeitsresistenter Leim verwendet, nicht etwa ein PU-Leim, wie er bei anderen Anwendungen zum Einsatz kommen kann.

Wie die Dekore auf die Platte kommen

Eine hochwertige beschichtete Platte beginnt für Andreas schon bei den einzelnen Furnierlagen. Restfeuchte, Astlöcher, ausgebesserte Stellen und die Gleichmäßigkeit der Schichten beeinflussen das spätere Ergebnis. Da Holz ein Naturwerkstoff ist, seien die ersten Platten einer Charge nicht automatisch identisch mit den letzten.

Vor dem Beschichten läuft die Rohplatte durch einen Kalibrierautomaten. Dabei wird sie gleichmäßig geschliffen und auf die benötigte Dicke gebracht. Die Stärke des späteren HPL oder Furniers wird bereits berücksichtigt: Soll das fertige Element beispielsweise zwölf Millimeter stark sein, muss die Trägerplatte entsprechend dünner kalibriert werden.

Danach werden Leim und Dekorschicht aufgebracht und das gesamte Paket in einer Flächenpresse verpresst. Genau dieser Schritt erwies sich bei Albasia zunächst als schwierig. Das weiche Holz lässt sich nicht mit jeder Presse gleich gut beschichten. Je nach Anlage, Pressdruck und Leim kann sich die Struktur der Trägerplatte durch die Oberfläche abzeichnen oder die Verbindung wird nicht gleichmäßig.

Der von epicPLY beauftragte Verarbeiter in Italien hatte bereits Erfahrung mit Pappelsperrholz. Trotzdem mussten unter anderem die äußeren Furnierlagen angepasst werden, damit sich die Platte besser kalibrieren und zuverlässig beschichten ließ.

Als Oberflächen wurden zum Zeitpunkt des Gesprächs vor allem HPL und Furnier verwendet. Die aufgebrachten Schichten waren je nach Ausführung ungefähr 0,6 oder 0,8 Millimeter stark. Nach dem Pressen wird die Platte besäumt und kontrolliert. Platten mit Lufteinschlüssen, Verschmutzungen oder anderen Fehlern werden aussortiert, bevor die fertige Ware ins Lager geht.

Lager, Zuschnitt und der Standort Strausberg

Zum Zeitpunkt der Aufnahme war das Unternehmen auf mehrere Standorte verteilt. Der Firmensitz lag bei der Muttergesellschaft in Hamburg, während das Hauptlager in Söhnstetten zwischen Ulm und Stuttgart betrieben wurde. Dort stellte eine automatisierte Anlage die Bestellungen für den Versand zusammen.

Für den bisherigen Movovan-Standort in Strausberg kündigte Andreas einen Zuschnittservice an. Kundinnen und Kunden sollten ihre Bauteile über einen Online-Konfigurator planen und fertig zugeschnitten bestellen können. Auf Wunsch sollten auch passende Kanten angefahren werden.

Besonders Selbstausbauer hatten häufig nach einem solchen Angebot gefragt: Nicht jeder verfügt zu Hause über eine Plattensäge oder kann komplette Plattenformate bearbeiten. Neben dem Zuschnitt waren für Strausberg deshalb auch eine Abholmöglichkeit und später CNC-Dienstleistungen geplant.

Da diese Angebote bei der Aufnahme im September 2024 noch im Aufbau waren, beschreibt das Gespräch ausdrücklich den damaligen Planungsstand.

Vor- und Nachteile des weichen Albasia-Holzes

Das geringe Gewicht ist gleichzeitig die Stärke und die Herausforderung des Materials. Albasia ist relativ weich. Gerade bei Schrauben, Scharnieren und dünnen Platten muss deshalb auf die Verbindung geachtet werden.

Movovan hatte bei Scharnieren gute Erfahrungen mit Euroschrauben gemacht. Durch die ausgeprägteren Gewindeflanken erreichten sie nach Andreas’ Erfahrung einen besseren Halt als gewöhnliche Spaxschrauben. Bei einer dünnen Platte und einem kurzen Schraubenkanal stoßen normale Schrauben in weichem Holz schneller an ihre Grenzen.

In den eigenen Ausbauten verwendete Movovan damals fertig beschichtete Platten von ungefähr 13,2 bis 13,4 Millimetern Stärke. Andreas spricht von einer üblichen Toleranz von etwa zwei Zehntelmillimetern. Schleifen, Leim und die natürliche Reaktion des Holzes können die Endstärke geringfügig verändern.

Dünne Platten sparen zusätzlich Gewicht, verlangen aber die passende Bearbeitung. Die Topfbohrung für ein Scharnier lässt sich in einer solchen Platte mit einer CNC-Fräse präzise herstellen. Beim Bohren von Hand kann dagegen bereits die Zentrierspitze des Topflochbohrers auf der Rückseite austreten.

Auch die Oberfläche beeinflusst das Gewicht. HPL ist robust und widerstandsfähig, trägt aber spürbar zum Gewicht der fertigen Platte bei. Dünnere CPL- oder Papieroberflächen sind leichter, bieten jedoch weniger Schutz. Für Andreas ist die Wahl deshalb immer ein Kompromiss zwischen Gewicht und der benötigten Widerstandsfähigkeit.

Dekore und Anwendungen außerhalb des Camperausbaus

Das damalige Standardprogramm umfasste unter anderem ein leicht strukturiertes HPL namens „Alu-Matt“ sowie besonders matte Oberflächen. Daneben gab es Furniere und verschiedene Farben. Das Sortiment sollte regelmäßig an neue Oberflächentrends angepasst werden.

Das Ziel war von Anfang an größer als der Campermarkt. Im Gespräch nennt Andreas den Möbel- und Messebau sowie Anwendungen in Schiffen, Schienenfahrzeugen und anderen Transportmitteln. Leichtes Albasia-Sperrholz war in einigen dieser Bereiche bereits bekannt, allerdings häufig als einfache Rohplatte oder Verpackungssperrholz.

Erst mit steigender Nachfrage entstanden höhere Ansprüche an Finish und gleichbleibende Qualität. Andreas beschreibt die Qualitätsentwicklung deshalb als fortlaufenden Prozess. Durch die direkte Verbindung zum Importeur könne epicPLY Rückmeldungen vergleichsweise schnell bis zu den Verantwortlichen im Werk weitergeben.

Verbindungen für Möbel aus Albasia-Platten

Für CNC-gefertigte Möbel empfiehlt Andreas Cabineo-Verbinder. Der Verbinder wird in eine gefräste Aufnahme eingesetzt und zieht die gegenüberliegende Platte über eine Euroschraube heran. Nach seiner Erfahrung lässt er sich schnell montieren und erzeugt eine gute Verbindung.

Bei Möbeln, die stärkeren Verwindungen ausgesetzt sind, setzt er zusätzlich auf Flachdübel beziehungsweise Lamellos. Dadurch entsteht eine größere Leimfläche und die Verklebung verteilt sich über einen breiteren Bereich. Auch klassische Dübel oder Domino-Verbinder kommen infrage.

Welche Lösung passt, hängt wiederum von der Plattenstärke ab. Gerade bei dünnen Platten bleibt für Topfbohrungen, Flachdübel und Beschläge wenig Material stehen. Die Verbindungstechnik muss deshalb bereits bei der Konstruktion berücksichtigt werden.

Zuschnitt, Abholung und CNC als nächster Schritt

Das größte damalige Projekt war der Zuschnittkonfigurator. Dazu gehörte nicht nur die Software: Lagerung, Zuschnitt, Kantenbearbeitung, Verpackung und Versand mussten zu einem verlässlichen Gesamtprozess verbunden werden.

Daneben plante epicPLY Abholstandorte, damit Kunden Platten vor dem Kauf sehen und anschließend selbst mitnehmen konnten. Für ungeschnittene Großbestellungen sollte weiterhin das Zentrallager zuständig sein, während zugeschnittene Aufträge aus Strausberg kommen sollten.

CNC-Dienstleistungen waren als späterer Schritt vorgesehen. Dabei sah Andreas noch offene Fragen – etwa, in welchem Format Kunden ihre Zeichnungen liefern und wie viel Nacharbeit nötig sein würde, bevor eine Datei tatsächlich auf die Fräse kann.

epicPLY und Queenply: Was lässt sich vergleichen?

Florian spricht im Podcast ausdrücklich den „Elefanten im Raum“ an: Queenply war bereits vor epicPLY als beschichtete Albasia-Leichtbauplatte für den Camperausbau bekannt.

Andreas vermeidet einen pauschalen Qualitätsvergleich. Er bezeichnet Queenply ausdrücklich als hochwertige Ausbauplatte und sagt, dass er keine belastbare Aussage zu möglichen Unterschieden beim Plattenaufbau oder den verwendeten Schichten machen könne. Beide Produkte basieren auf derselben Holzart.

Einen damals kursierenden Unterschied weist er allerdings zurück: Auch die epicPLY-Platten werden vor dem Beschichten kalibriert. Eine nicht gleichmäßig kalibrierte Trägerplatte ließe sich seiner Erklärung nach gar nicht sauber mit HPL oder Furnier verpressen.

Der wesentliche Vorteil beider Angebote liegt für Florian und Andreas weniger in einem Markenvergleich als in der Verfügbarkeit: Leichte Multiplexplatten können in verschiedenen Farben, HPL-Ausführungen und Furnieren direkt bestellt werden. Zuvor mussten kleinere Ausbaubetriebe häufig lange auf besondere Dekore warten oder ihre Platten selbst beschichten lassen.

Warum solche Platten für kleine Ausbauer interessant sind

Gemessen an der gesamten holzverarbeitenden Industrie ist der Campermarkt klein. Für leichte Platten ist er dennoch ein wichtiger Einstieg, weil das Fahrzeuggewicht dort unmittelbar eine Rolle spielt.

Gleichzeitig besteht der Bedarf nicht nur aus geringem Gewicht. Für kleinere Ausbauwerkstätten und Selbstausbauer ist entscheidend, dass unterschiedliche Oberflächen auch in überschaubaren Mengen verfügbar sind. Ein großes industrielles Sortiment hilft wenig, wenn ein kleiner Abnehmer nur drei Lagerfarben bestellen kann oder viele Wochen auf ein anderes Dekor warten muss.

Anbieter wie epicPLY und Queenply besetzen nach Ansicht der Gesprächspartner genau diese Lücke: Sie verbinden eine leichte Trägerplatte mit einer Auswahl fertiger Oberflächen und machen sie auch für kleinere Kunden zugänglich.

Wie es mit Movovan weiterging

Zum Zeitpunkt des Gesprächs sollte Movovan für bestehende Kunden erhalten bleiben, während Andreas seinen Schwerpunkt auf epicPLY verlagerte. Er beschreibt den Wechsel nicht als Abschied vom Camperausbau, sondern als neue Rolle innerhalb derselben Branche.

Die Erfahrungen aus der eigenen Werkstatt nimmt er dabei mit auf die Lieferantenseite: von der Materialbeschaffung und CNC-Bearbeitung bis zu den Schwierigkeiten individueller Ausbauten. Gerade diese Verbindung aus Einkauf und praktischer Verarbeitung erklärt, warum sich das Gespräch nicht nur um die Platte selbst, sondern auch um deren Weg bis in die Werkstatt dreht.