Folge #19
14. Mai 2025
1:10 h

Spantensystem für Kastenwagen

mit Julian Weippert von Juli Vansystem

Gäste der Folge #19: Julian Weippert

Ich spreche mit Julian über die Entwicklung einer Spantenunterkonstruktion, die als solide Basis für den Ausbau von Kastenwagen dient und einen definierten Raum mit (fast) geraden Wänden schafft.

Wir sprechen darüber, wie die Idee und der erste Prototyp entstanden ist, wie die Spantenrahmen im Fahrzeug eingebaut werden und wie sie mit der Fahrzeugdämmung kombiniert werden. Wir unterhalten uns auch über die Materialien, die zum Einsatz kommen, die Materialstärken, das Gewicht des ganzen Systems und viele weitere Details.

Julian berichtet auch von seinen Erfahrungen mit verschiedenen Methoden zum Aufmaß der Karosserie, angefangen von einer kreativen, manuellen Lösung, über die Versuche mit einem günstigen 3D Scanner bis hin zum professionellen Aufmaß mit hochwertigen Scannern, der schlußendlich eine erhebliche Arbeitserchleichtung gebracht hat.

Spantensystem für den Kastenwagen: Gerade Wände als Ausbaugrundlage

Julian Weippert von Juli Vansystem hat eine vorgefertigte Spantenunterkonstruktion für Kastenwagen entwickelt. Sie folgt der Fahrzeugkarosserie und schafft innen definierte Flächen für Verkleidung und Möbel. Im Gespräch geht es vom ersten handvermessenen Prototyp über Materialien, Gewicht und Dämmung bis zum professionellen 3D-Scan. Die folgenden Abschnitte verdichten die Unterhaltung entlang ihrer Kapitel. Die Zeitmarken führen zu den jeweiligen Stellen im Podcast.

Julians Weg zum eigenen Ausbausystem

Julian kam über handwerkliche Arbeit und eigene Fahrzeugprojekte zum Ausbau. Bei jedem Kastenwagen störte ihn derselbe zeitaufwendige Schritt: Aus der gekrümmten, von Holmen unterbrochenen Karosserie musste erst eine belastbare Unterkonstruktion für Wände, Decke und Möbel entstehen.

Aus dieser Erfahrung entwickelte er die Idee, fahrzeugspezifische Spanten als vorbereitetes System anzubieten. Selbstausbauer sollten nicht jede Kontur selbst abnehmen und einzelne Latten im Fahrzeug anpassen müssen.

Gründung und erster Prototyp

Juli Vansystem entstand schrittweise neben anderen Arbeiten. Für den ersten Prototyp nahm Julian die Fahrzeugkontur mit einfachen manuellen Hilfsmitteln ab, übertrug sie in Zeichnungen und fertigte daraus Rahmen. Jeder Fehler zeigte sich spätestens bei der Probe im Fahrzeug.

Der Prototyp bewies das Grundprinzip, machte aber auch klar, wie viel Arbeit in fahrzeugspezifischen Daten steckt. Damit aus dem Einzelstück ein Produkt werden konnte, mussten Teile reproduzierbar, montierbar und transportierbar werden.

Wie die Spanten im Fahrzeug aufgebaut werden

Mehrere gefräste Rahmen folgen quer beziehungsweise entlang definierter Positionen der Karosserie. Verbindungsteile richten sie zueinander aus und erzeugen einen zusammenhängenden Unterbau. Befestigt wird an geeigneten vorhandenen Punkten und konstruktiv vorgesehenen Flächen.

Die Zwischenräume bleiben für Dämmung und Leitungen nutzbar. Innen entstehen nahezu gerade Bezugsebenen, obwohl das Außenblech weiterhin gewölbt ist. Das vereinfacht spätere Verkleidung und macht Maße zwischen Fahrzeugen derselben Variante besser wiederholbar.

Verkleidung und Dämmung zusammendenken

Wand- und Deckenplatten werden auf den Spanten befestigt. Ihre Stöße können auf definierten Auflagen liegen, statt zufällig zwischen Holmen zu enden. Revisionsmöglichkeiten und spätere Demontage hängen von der gewählten Verschraubung beziehungsweise Verkleidung ab.

Die Spanten ersetzen nicht die Dämmplanung. Material wird zwischen und hinter den Rahmenteilen angeordnet; Wärmebrücken, Hohlräume und Luftwege bleiben zu beachten. Das System schafft vor allem eine geometrische und mechanische Grundlage.

Materialien, Gewicht und Materialstärken

Julian fertigt die Spantenteile aus Plattenmaterial, das sich präzise fräsen lässt und Schrauben sowie Verbindungen zuverlässig trägt. Aussparungen nehmen dort Material heraus, wo es für die Kraftübertragung nicht benötigt wird.

Gewicht und Stabilität wurden über Prototypen und unterschiedliche Stärken gegeneinander abgewogen. Das komplette System bringt zusätzliches Gewicht mit, ersetzt aber auch improvisierte Latten und schafft Befestigungsmöglichkeiten. Für die Fahrzeugplanung zählt die tatsächliche Summe einschließlich Verkleidung und späterer Möbel.

Möbel an einer definierten Unterkonstruktion befestigen

Ein Vorteil des Systems ist, dass Möbelbauer wissen, wo tragfähige Spanten liegen. Hängeschränke und Wandteile müssen nicht nur in einer dünnen Verkleidung halten. Lasten werden über mehrere Befestigungspunkte in die Unterkonstruktion verteilt.

Trotzdem bleibt die Auslegung Aufgabe des Ausbaus. Schwere Möbel und sicherheitsrelevante Einbauten benötigen passende Anschlüsse an Boden oder Karosserie. Das Spantensystem ist eine Basis, keine pauschale Freigabe für beliebige Lasten.

Vom manuellen Aufmaß zum professionellen 3D-Scan

Nach dem manuellen ersten Aufmaß experimentierte Julian mit einem günstigen 3D-Scanner. Die Ergebnisse waren für große, glatte und schwer zugängliche Fahrzeugflächen jedoch nicht zuverlässig genug. Nachbearbeitung und Kontrollmaße fraßen einen Teil der erhofften Zeitersparnis wieder auf.

Professionelle Scans lieferten schließlich dichtere und genauere Punktwolken. Daraus lassen sich Schnitte und Konturen für die CAD-Konstruktion ableiten. Der Scan ersetzt weiterhin nicht die konstruktive Entscheidung, welche Karosserietoleranzen ausgeglichen und welche Einbauten freigehalten werden müssen.

Weitere Fahrzeugmodelle und Produktentwicklung

Juli Vansystem möchte das Prinzip auf weitere Kastenwagenvarianten übertragen. Jedes Modell benötigt eigene Scandaten, Prototypen und Montageprüfungen. Selbst innerhalb einer Baureihe können Radstand, Dachhöhe, Türen und Modellpflege Änderungen verursachen.

Parallel denkt Julian über ergänzende Teile und bessere Dokumentation nach. Je klarer Einbaufolge und Schnittstellen beschrieben sind, desto eher kann ein Selbstausbauer das System ohne individuelle Unterstützung montieren.

Patentanmeldung und Schutz der Entwicklungsarbeit

Im Gespräch berichtet Julian auch von Patentanmeldungen beziehungsweise dem Versuch, die Idee rechtlich zu schützen. Für einen kleinen Hersteller stehen dabei Kosten und Aufwand dem Nutzen gegenüber. Geschützt werden kann nicht einfach das allgemeine Ziel gerader Innenwände, sondern nur eine konkret definierte technische Lehre.

Unabhängig vom Ausgang liegt ein großer Teil des praktischen Vorsprungs in Daten, Passungen, Fertigungsdateien und Einbauerfahrung. Diese Arbeit muss für jedes Fahrzeugmodell geleistet und mit realen Karosserien überprüft werden.