Folge #20
28. Mai 2025
1:16 h

Frischer Wind unter den 4x4 Kastenwagen

mit Thomas Lermer von Xtremobility

Gäste der Folge #20: Thomas Lermer

Wir sprechen über eine neue Alternative auf dem Markt der 4x4-Kastenwagen: die Firma Xtremobility hat zusammen mit dem Sonderfahrzeughersteller RMA einen Allradumbau für den Ford Transit entwickelt, der mit Untersetzung, Sperren und Höherlegung so einiges im Gelände kann.

Der Umbau basiert auf dem Ford Tansit 2.0L mit 10-Gang Automatikgetriebe und bietet so nicht nur Komfort als Reisefahrzeug, sondern zusammen mit der Untersetzung von 2,71 auch extrem kurze Gänge für langsame, kontrollierte Fahrten auch im schwierigen Gelände. Zusammen mit dem speziell abgestimmten Fahrwerk ergibt sich so ein sehr stimmiges und potentes Gesamtkonzept, das finanziell deutlich erschwinglicher ist als z.B. ein entsprechender Umbau auf Sprinter-Basis.

Wir unterhalten uns über Thomas' langjährige Erfahrungen mit Allradfahrzeugen im Rahmen seiner ehemaligen Firmen Extrem Fahrzeuge und Extrem Konzepte, und wie diese zu diesem neuen Projekt geführt haben. Dann widmen wir uns den technischen Details des Umbaus und gehen alle Schritte durch, die bei der Umrüstung durchgeführt werden.

Wir sprechen auch über die Kosten des Umbaus, den Zeitplan von Xtremobility für die Markteinführung und vieles mehr. Wenn ihr euch für 4x4 Kastenwagen interessiert, dann kann ich euch diese Folge nur ans Herz legen!

Ford Transit als 4x4-Kastenwagen: Allradumbau mit Untersetzung

Thomas Lermer von Xtremobility stellt einen gemeinsam mit dem Sonderfahrzeughersteller RMA entwickelten Allradumbau für den Ford Transit vor. Das Konzept kombiniert den Transit mit Zehngang-Automatik, Verteilergetriebe, Untersetzung, Sperren und einem angepassten Fahrwerk. Die folgenden Abschnitte verdichten den Entwicklungsweg und die technischen Erläuterungen entlang der Kapitelmarken. Angaben zu Verfügbarkeit, Kosten und Entwicklungsstand beziehen sich auf den Zeitpunkt der Aufnahme. Die Zeitmarken führen zu den jeweiligen Stellen im Podcast.

Thomas’ Weg durch die Welt der Allradfahrzeuge

Thomas beschäftigte sich über viele Jahre professionell mit geländegängigen Reisefahrzeugen. Mit Extrem Fahrzeuge und später Extrem Konzepte arbeitete er an Umbauten, Aufbauten und technischen Lösungen für Kunden, die abseits befestigter Straßen reisen wollten.

Diese Erfahrung prägt den neuen Ansatz: Nicht ein einzelnes spektakuläres Bauteil soll den Transit geländetauglich machen, sondern ein abgestimmtes System aus Antrieb, Übersetzung, Fahrwerk, Rädern und Zulassung.

Expeditionsfahrzeuge auf Toyota-Basis

Frühere Projekte entstanden unter anderem auf Toyota-Basis. Robuste Geländewagen und Pickups boten eine belastbare Ausgangslage, begrenzten aber Innenraum und Komfort. Kundenwünsche verschoben sich mit der Zeit zu größeren, alltagstauglicheren Kastenwagen.

Damit entstand ein Zielkonflikt: Das Fahrzeug sollte sich auf langen Straßenetappen komfortabel fahren, im Gelände aber langsam und kontrolliert bewegen lassen. Gerade bei Automatikgetrieben ist dafür eine echte Untersetzung ein wichtiger Baustein.

Vom früheren Transit-Projekt zum neuen Umbau

Bei Extrem Konzepte hatte Thomas bereits an einem Ford-Allradprojekt gearbeitet. Die Entwicklung zeigte sowohl das Marktinteresse als auch den hohen Aufwand hinter einem straßenzugelassenen Umbau. Nach der Insolvenz des früheren Unternehmens war die Idee nicht erledigt, musste aber organisatorisch und technisch neu aufgesetzt werden.

Mit Xtremobility und RMA entstand ein neuer Anlauf. RMA bringt Erfahrung als internationaler Sonderfahrzeughersteller ein; Thomas verbindet die technische Entwicklung mit Anforderungen aus Reisefahrzeugen und dem deutschen Markt.

Das Konzept für den Ford Transit mit Zehngang-Automatik

Basis ist ein heckgetriebener Ford Transit mit Zweiliter-Diesel und Zehngang-Automatik. Der Umbau ergänzt den Vorderachsantrieb über ein Verteilergetriebe. Eine Untersetzung von 2,71 verkürzt die Übersetzung deutlich, sodass das Fahrzeug in schwierigem Gelände langsam fahren kann, ohne ständig mit hoher Geschwindigkeit oder starkem Bremseinsatz arbeiten zu müssen.

Sperren und die Verteilung des Antriebsmoments sollen Traktion ermöglichen, wenn einzelne Räder entlastet werden. Ein angepasstes Fahrwerk und passende Rad-Reifen-Kombinationen erhöhen Bodenfreiheit und ergänzen den Antriebsumbau.

Welche Arbeiten beim Allradumbau erfolgen

Für die zusätzliche angetriebene Vorderachse werden Bauteile am Antriebsstrang ergänzt und die Kraftübertragung im Fahrzeug neu geführt. Dazu kommen Halter, Wellen, Achs- beziehungsweise Differentialkomponenten, Fahrwerksänderungen und angepasste elektronische beziehungsweise mechanische Schnittstellen.

Die Konstruktion nutzt vorhandene Fahrzeugstrukturen, wo das möglich ist, und definiert neue Komponenten dort, wo der Serien-Transit keinen Allradpfad vorsieht. Entscheidend ist, dass Freigängigkeit, Gelenkwinkel, Kühlung, Bremsen und Assistenzsysteme als Ganzes funktionieren.

Homologation als Teil der Produktentwicklung

Ein technisch fahrender Prototyp ist noch kein verkaufbarer Umbau. Nachweise und Prüfungen müssen zeigen, dass die geänderten Komponenten und das Gesamtfahrzeug die relevanten Anforderungen erfüllen. Dazu gehören unter anderem Festigkeit, Fahrverhalten und die dokumentierte Übereinstimmung der späteren Umbauten.

Xtremobility arbeitet dabei auch mit Ford und dem Qualified-Vehicle-Modifier-Umfeld. Diese Einbindung soll definierte Basisfahrzeuge, wiederholbare Prozesse und nachvollziehbare Schnittstellen sicherstellen; sie ersetzt nicht die konkrete Zulassungskette.

Entwicklungsstand, Arbeitsaufwand und Betriebsaufbau

Zum Aufnahmezeitpunkt befand sich das Projekt zwischen Erprobung, Homologation und Markteinführung. Weitere Vorführfahrzeuge und Messeauftritte sollten das Konzept zeigen und Praxiserfahrung sammeln. Genannte Termine waren Planungsstände, keine zeitunabhängige Lieferzusage.

Der eigentliche Werkstattumbau soll nach vorbereiteten Abläufen erfolgen. Dahinter steht jedoch ein größerer Betriebsaufbau aus Teilelogistik, Qualitätskontrolle, Dokumentation und geschulten Mitarbeitern. Gerade seltene Spezialteile müssen verfügbar sein, bevor ein zerlegtes Kundenfahrzeug die Werkstatt blockiert.

Position im Markt der 4x4-Kastenwagen

Der Transit-Umbau zielt auf eine Lücke zwischen seriennahen Allradlösungen und sehr teuren Spezialumbauten. Die Kombination aus Automatikkomfort und echter Geländeuntersetzung ist dabei ein zentrales Unterscheidungsmerkmal.

Thomas und Florian vergleichen das Konzept besonders mit Sprinter-basierten Lösungen. Der Ford soll einen niedrigeren Einstieg ermöglichen, ohne nur für leichte Schotterwege gedacht zu sein. Welches Fahrzeug sinnvoll ist, hängt dennoch von Ausbau, Servicenetz, Nutzlast und Reiseziel ab.

Zusatzgewicht und Kosten des Umbaus

Verteilergetriebe, Vorderachsantrieb, Wellen, Sperren, Fahrwerk und Räder erhöhen das Leergewicht. Dieses Mehrgewicht muss in der Gesamtplanung des Campers berücksichtigt werden, insbesondere bei Hinterachslast, Ausbau, Wasser und Gepäck.

Auch der Preis umfasst mehr als die Summe sichtbarer Bauteile: Entwicklung, Prüfungen, Kleinserienfertigung, Montage und Gewährleistung gehören dazu. Thomas ordnet den geplanten Umbau im Gespräch deutlich unter bestimmten Sprinter-Speziallösungen ein; aktuelle Angebote müssen dennoch direkt beim Anbieter geprüft werden.

Welche Basisfahrzeuge geeignet sind

Der Umbau ist an definierte Transit-Konfigurationen gebunden. Antrieb, Automatikgetriebe, Radstand, zulässiges Gesamtgewicht und weitere Ausstattungsmerkmale müssen zur homologierten Kombination passen. Nicht jeder vorhandene Transit kann deshalb ohne Prüfung nachgerüstet werden.

Wer ein neues Reisefahrzeug plant, sollte Basisfahrzeug, Allradumbau und Innenausbau gemeinsam bestellen beziehungsweise abstimmen. So lassen sich Gewichte, Lieferreihenfolge und technische Schnittstellen klären, bevor Geld in ein unpassendes Fahrzeug fließt.